Der Airedaleterrier als Allroundhund

Anekdoten und sonstige Erlebnisse mit unseren Lakritznasen
Antworten
Benutzeravatar
lutz
Benutzer
Beiträge: 2281
Registriert: Mo 25. Jan 2010, 20:14
Wohnort: Bremen

Der Airedaleterrier als Allroundhund

Beitrag von lutz » Fr 7. Dez 2018, 21:06

Hallo AT-Freunde,

Eine Lanze für den Airedale.

Ich kenne wirklich keine Hunderasse die so universell für alles, und damit meine ich auch wirklich alles, einzusetzen ist wie den ursprünglich gezüchteten Airedaleterrier.
Als die kleinen Farmer und Bergleute die in England um 1870/1880 damals den Airedale aus verschiedenen Rassen wie dem alten englischen Terrier, den Otternhund, dem Collie und noch verschiedene andere Rassen unter anderem den Bulterrier erzüchteten konnten sich weder die Jagd noch teuren Jagdhunde für die Jagd leisten wie die gesellschaftliche Oberschicht in England und waren aufs Wildern angewiesen wenn sie öfter mal einen Braten auf dem Tisch haben wollten. Dafür brauchten sie einen Hund wie den Airedale der ohne Spurlaut das Wild verfolgte und als typischer Terrier die aufgespürten Tiere selbständig tötete.
Diese Eigenschaften machten sich auch die Kleinbauern dort zu nutze indem der Airedale die Farmen von allem Raubzeug frei hielt und gleichzeitig Haus, Hof, das Vieh und die dort wohnenden Menschen beschützte.
Der Airedale war unerschrocken und mutig und wurde damals sogar zum sonntägliches Vergnügen und Zeitvertreib zu Hundekämpfen mit Wetten auf den Gewinner eingesetzt wobei ihm nicht zuletzt auch die Eigenschaften des Bullterriers zu gute kamen von denen einige Airedales immer noch den weißen Brustfleck, oder weniger erwünscht, auch mal eine weiße Pfote beibehalten haben.
Die Unerschrockenheit dieser Airedales im Zusammenhang mit der heute noch in Zucht abgeprüften Schussfestigkeit machte auch das Militär auf diesen Hund aufmerksam so dass er dort als auch im Kugelhagel und Granatbeschuss als Melde-und Sanitätshund bei den Boxeraufständen in China und im ersten Weltkrieg eingesetzt wurde. In Deutschland galt diese Rasse als besonders Stauperesistent und wurde vor allen anderen Hunden vom Militär bevorzugt und stellte dort die meisten Hunde. Als Polizeihund wurde er schon lange vor dem Deutschen Schäferhund eingesetzt.

Eine Schönheit war der Airedale zu Anfang sicher nicht gerade aber damals als die Hunde noch eher nach Verwendungszweck als auf Schönheit gezüchtet wurden war er ein wirklicher Allroundhund der echt auch als Arbeitshund (Working Dog) gebraucht wurde.
Inzwischen werden sicher so einige dieser ursprünglichen Eigenschaften durch die Zeitenwende nicht mehr so nachgefragt, dafür ist der Hund aber auch eine ganze Ecke ansehnlicher geworden und ist nach wie vor eine gesunde und robuste Hunderasse. Im laufe der Zeit haben sich eben auch die Einsatzgebiete und Verwendungszwecke verschoben wobei dem Airedale sicher auch zu schaffen machte dass es immer mehr Spezialisten unter den Hunden gab. Als Such-und Drogenhund gibt es Hunde mit besseren Nasen, für die Mannarbeit im Schutzdienst ist der Malinois und der Deutsche Schäferhund besser aufgestellt, als Blindenhund gibt es ruhigere und gelassenere Rassen, Windhunde sind schneller, gewildert wird heute nicht mehr und die vielen spezialisierten Jagdhunde laufen auch dort dem Airedale den Rang ab und töten kein Wild sondern überlassen das dem Jäger. Es gibt Rassen die können länger am Rad laufen, besser klettern oder schwimmen, sicher gibt es Hunde die sich leichter führen lassen als ein Terrier der er nun einmal ist und vielleicht gibt es auch bessere Rettungshunde, ganz sicher auch wohl besser geeignete Schlittenhunde, aber keiner beherrscht alles so wie der Airedale.

"JACK OF ALL TRADES MASTER OF NONE" das ist der Airedaleterrier sagt der Engländer. Ich sage immer er ist der SUV unter den Hunden.
Und bitteschön das sollte immer bei allen Vergleichen in der Verwendung dieses Hundes mit anderen Hunderassen berücksichtigt werden.

Auch die Fellpflege mit dem notwendigen Trimmen könnte abschreckend wirken wobei natürlich vergessen wird dass der Airedale durch sein Haarkleid mit der dichten Unterwolle und dem robusten Deckhaar nicht in der Wohnung haart und im Gegensatz zu anderen Gebrauchshunden wie Rottweiler, Boxer und Dobermann absolut winterfest ist und theoretisch wie früher üblich auch im Winter im Zwinger gehalten werden könnte und keine Mäntelchen gebraucht.

Leider sind Hunde eben heute in der Mehrzahl Familienhunde, was der Airedale natürlich ohne jegliche Einschränkungen auch ist, die sich ohne Probleme gesellschaftlich einordnen aber auch möglichst pflegeleicht sind und keine besonderen Ansprüche stellen. Deshalb neuerdings auch der Trend zu ganzen Doodless, meist ehemals als Gebrauchshunde deklarierte Rassen die ganz einfach mit Großpudeln gekreuzt werden. Hier ist das notwendige Trimmen des Airedales sicher auch abschreckend und keine Behörde gibt hier gern Geld für aus.

Die meisten Airedalehalter wissen gar nicht was sie für ein wahres Schätzchen an universellen Eigenschaften sie mit diesem Hund haben. So viele echte Gebrauchseigenschaften besitzt keine andere Hunderasse. Es ist Aufgabe der Züchter und des Rasseverbandes diese universellen Eigenschaften genau wie die Rassegesundheit zu erhalten und sie nicht auf dem Altar neuzeitlicher Trends in der Hundezucht zu opfern nur um mehr Hunde verkaufen zu können.
Der Airedale als wahrer Charakterhund muss unbedingt als gesunde, robuste Hunderasse mit allen seinen vielseitigen Eigenschaften so erhalten bleiben wie er ist.
Ich gönne ihm von Herzen die nächsten Hundert Jahre.

Viele Grüße von lutz mit Greta
Die Beziehung zwischen einem Mann und seinem Hund ist heilig,
was die Natur vereint hat, soll keine Frau trennen.

Antworten

Zurück zu „Plauderecke“