Knallerei

alle Fragen zur Hundeerziehung, Körpersprache, Kommunikation
Uschi

Knallerei

Beitrag von Uschi » Sa 1. Jan 2011, 23:44

Hallo,

Wijnta war, bis sie 4 Jahre alt war, an Silvester ruhig und gleichgültig gegenüber der Knallerei draußen.

Danach fing sie an, unruhig zu werden, wenn es draußen knallte, was bei uns auch während des Jahres bei Stadtfesten vorkommen kann.


Ist sie draußen, ist ihr das alles völlig gleichgültig. Auch auf dem Hupla ist sie dem Schuss gegenüber ruhig, sonst hätte sie ja auch ihre Prüfung nicht bestanden.
Wobei ich jetzt nicht soweit gehen möchte, sie um 0.00 Uhr an Silvester mit auf die Straße zu nehmen. Das könnte dann doch zuviel werden, fürchte ich. Aber an Silvester abends noch Runden drehen, wenn ungeduldige Menschen schon heftig schießen, ist kein Problem mit ihr.


Nur IM Haus drinnen, wird sie unruhig, wenn es DRAUSSEN knallt.

Draußen schaut sie den Lichtern am Himmel zu, drinnen tigert sie herum wenn sie welche durchs Fenster sieht.



Hat irgendjemand eine Idee, warum das so sein könnte? Ich würde eigentlich davon ausgehen, dass es draußen bedrohlicher ist, weil sie dem Geschehen viel unmittelbarer ausgesetzt ist.


Gibts noch andere Hunde hier, die so reagieren?


Liebe Grüße
Uschi

Viper&Virgil

Re: Knallerei

Beitrag von Viper&Virgil » So 2. Jan 2011, 02:03

Hallo Uschi

Ja gibt es! Unseren Kerry Viper :dog_laugh . Der ist am zittern wie verückt und dann muss klein Virgil kurz nach 12 ein Pipi :pinkeln .
Er hat sich zwar geduckt, da er immer noch ein bisschen Angst hatte er hat aber nicht mehr gezittert.
Ach ja, Viper war die ersten 2 Jahre ruhig.
Also beide an die Leine gemacht und in den Garten. Der Kurze pischert und danach schaut er sich vergnügt die Böllerei an :dog_laugh :dog_laugh . Ne im Ernst er hat die ganze Zeit ausm Fenster geschaut und sich die Lichter angesehn.
Und dann draußen das gleiche...

LG Samira :wave:
die von ihrem Virgi einen "FrohesNeusMamaKuss" bekommen hat. Mensch der kann schon mit 5 Monaten 1,65 m hoch springen!! :dog_ohmy Uiuiuiuii ich glaub der Gartenzaun ist zu niedrig happy_02 happy_02

Rover

Re: Knallerei

Beitrag von Rover » So 2. Jan 2011, 10:19

Hallo Uschi,

bei Rover ist es genauso.
Beim Nachmittagsspaziergang kamen schon etliche Böller und Knaller, da bleibt er anfangs stehen und lauscht, doch wenn ich sage "alles ok, geh nur weiter", dann läuft er anstandslos. Nach einigen Wiederholungen ist er nichtmal mehr stehen geblieben. Schwanz war die ganze Zeit oben, Hund ganz normal.
Nach 16 Uhr gehen wir Silvester aber nicht mehr raus, wenn es nicht unbedingt sein muss.

Rover reagiert dann im Haus viel heftiger auf jeden Knaller - lässt sich zwar anfangs beruhigen, spult sich aber mit der Zeit immer mehr auf - genau das Gegenteil vom Verhalten draußen. Ich hab mich auch schon gewundert, warum das so ist.
Rover verkriecht sich auch nicht oder sucht Schutz bei uns - er wird unruhig, tigert herum, winselt, bellt und lässt sich nicht beruhigen.

Könnte es vielleicht so sein, dass er durch körperliche Aktivität den Stress abbaut, während die erzwungene Ruhe im Haus ihn aufregt?
Wir haben nach 12 dann Hundekekse-im-Flur-suchen gespielt, ich habe die Kekse (immer schön einzeln) quer durch den Flur geworfen, und er musste sie sich holen gehen bzw. suchen, wo sie hingefallen waren. Das ging auch recht gut.

Ruhig war bei uns nur das erste Silvester, wo Rover grade ein Jahr alt war. Danach war immer Stress.

Viele Grüße von Kerstin und Rover

sijuto

Re: Knallerei

Beitrag von sijuto » So 2. Jan 2011, 10:25

Hi Uschi,
bei uns ist es mit Tom ähnlich, wie Du es beschreibst: mit gelegentlichen Böllern draußen auf dem Spaziergang kommt er super klar, auch mit Schüssen etc.. Draußen muss man dann aber auch noch differenzieren. Überrascht uns ein Knall im Garten, dann will er auch ganz schnell rein. Drinnen kommt er mit diesen Geräuschen nicht gut klar.

Monka findet Böller/Schüsse draußen ganz grässlich und will nur zurück an einen sicheren Ort. Drinnen ist sie dann aber gelassener als Tom.

Toms Verhalten erkläre ich mir so, dass ihn die Vielzahl von tollen Außenreizen so ablenkt und begeistert, dass die störenden Schuss/Böllergeräusche nur Beiwerk sind, das ihn nicht weiter aus der Ruhe bringen kann ...
Im Garten ist es nicht so spannend und ablenkend, so dass es ihn dort auch ängstigen kann.

Liebe Grüße
Silke

Mischka

Re: Knallerei

Beitrag von Mischka » So 2. Jan 2011, 10:35

Hallo Uschi,
das was Du beschreibst, habe ich bei allen meinen bisherigen Hunden beobachtet. Solange sie klein sind und nicht wie Mischka eine "schlechte Erfahrung" machen, reagieren sie die ersten Sylvester kaum. Drinnen wie draußen.
Ich weiß nicht, ob ich das richtig interpretiere, aber ich denke, dass sie als erwachsene Hunde, draußen an der Leine "arbeiten" in der Unterordnung sind. Im Haus ist doch eher die "freie" ruhige Zone. In einer strengen Unterordnung ist auch Sylvester in einer Wohnung zu überstehen. Aber es böllert halt nicht nur zu 24.00 Uhr.
Trotz alledem ist die Wohnung eng und das natürliche Fluchtveralten ist eingeschrämkt. Das führt zu Panik. Mischka öffnet dann die Türen und rennt seinen Stress ab und reagiert draußen mit pöbeln, abgeleint auf einem eingezäunten Grundstück. Drinnen ängstlich, draußen der Größte... Und so haben auch meine vorherigen Hunde reagiert. (Wobei ich auch zwei hatte, die haben drinnen überhaupt nicht reagiert. So als wären sie taub. Ihr langes Leben lang- sie waren auch lebenslang im Hundesport tätig).
Aber alle waren draußen beim Knallen absolut angriffslustig. Ich denke der Stress ist drinnen und draußen fast der gleiche, aber der Stressabbau funktioniert draußen besser.
Oh, ich hoffe ich habe mich einigermaßen verständlich ausgedrückt. :dog_biggrin

Benutzeravatar
Stefan K.
Benutzer
Beiträge: 429
Registriert: Di 26. Jan 2010, 15:15

Re: Knallerei

Beitrag von Stefan K. » So 2. Jan 2011, 12:31

Da Benny sehr teritorial ist, akzeptiert er keinen Knaller in seiner Umgebung. Er schlägt an, wenn er einen Knaller in unserem Garten hört(es kommt vor, dass irgend ein "Pack" Knaller bei uns in den Garten werfen). Und das über Minuten teilweise. Eddy ist da noch sehr ruhig.
Aber um 24:00Uhr, wo alles um uns herum explodierte, waren beide Hunde absolut ruhig und gingen ihrem Tagesgeschäft(Fressen, schlarfen & kuscheln) nach.
Hoffendlich bleibt dass so....

Gruß, Stefan & Dagmar und die "wilde Meute"
"Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie dann ihren Standpunkt." (Albert Einstein)

vanja
Benutzer
Beiträge: 755
Registriert: Mo 25. Jan 2010, 21:11
Wohnort: NRW, Kreis Unna

Re: Knallerei

Beitrag von vanja » So 2. Jan 2011, 12:34

Der Hund reagiert draußen anders auf die Knallerei als drinnen, weil ihre Besitzer drinnen anders auf die Knallerei reagieren als draußen.

In der Höhle (Wohnung) nimmt der Hund wahr, daß der Besitzer zum Fenster rennt und guckt, was dort wohl los ist. Sollte sein Mensch nicht zum Fenster rennen, reagiert er aber irgendwie. Entweder durch Ärger oder durch Freude. Selbst die kleinste Reaktion von seinem Menschen registriert der Hund. Reagiert Mensch anders als sonst erscheint es Hund als Gefahr oder einfach nur als Signal und er muß reagieren bzw. kann es nicht, da er ja nicht an das Objekt herankommt, was seinen Menschen anders reagieren läßt.

Draußen freut Mensch sich, daß sein Hund so gelöst reagiert und benimmt sich doch eigentlich ganz normal dabei, da ja der Mensch sich immer freut, wenn sein Hund sich gelöst reagierend zeigt.
Liebe Grüße Ilona und die Whippets
mit Alco, Kasi, Krabbe, Grille und Una im Herzen
________
Im Alter haben Erinnerungen denselben Stellenwert, wie in der Jugend die Träume.
Erna Behrens-Giegl
http://whippetweb.blogspot.com

sijuto

Re: Knallerei

Beitrag von sijuto » So 2. Jan 2011, 12:39

Hi Ilona,
was mich stutzen lässt an Deiner Ansicht ist, dass ich z.B. zwei Hunde habe, die komplett unterschiedlich reagieren (ich hatte es zuvor beschrieben). Monka findet draußen Böller schlimm, drinnen nicht so. Tom draußen kein Problem, drinnen Fiasko. So müsste ich ja für beide Hunde unterschiedlich reagieren nach Deinem Lösungsansatz. Kann ich aber nicht (rein praktisch geht das ja schon nicht) und tue ich natürlich auch nicht.
vanja hat geschrieben:Draußen freut Mensch sich, daß sein Hund so gelöst reagiert und benimmt sich doch eigentlich ganz normal dabei, da ja der Mensch sich immer freut, wenn sein Hund sich gelöst reagierend zeigt.
Und das schaffe ich auch nicht, gleichzeitig so erfreut sein, dass Tom so gelöst ist und mich unnormal Verhalten, so dass Monka Schiss hat ...

Das kann es also auch nicht - ausschließlich - sein.
Liebe Grüße
Silke

PS. Ich renne auch nie zum Fenster gucken ...

Freddy

Re: Knallerei

Beitrag von Freddy » So 2. Jan 2011, 13:45

Hallo Uschi,

ich könnte mir Wijntas Verhalten so erklären:

Hunde lernen (auch die Angst wird gelernt!) streng kontextbezogen. Ich will damit sagen das sie immer Umgebung, Ablenkung usw. mit in ihren Lernprozess mit einbeziehen. Es ist sicher irgend etwas traumatisches vorgefallen, was Wijnta mit dem Böllern im Haus verknüpft hat. Später wird dann bei vielen Hunden oft schon das „Vorgeplänkel“ (z.B. das Pfeifen der Raketen oder das Benehmen ihrer Menschen) zum Angstauslöser.
Das sie draußen die Knallerei mehr kalt lässt, liegt vermutlich daran, dass sie eine ganz bestimmte Verknüpfung angelegt hat, die draußen nicht oder noch nicht, gegeben ist. Meine Erfahrung ist, das sich Hunde in ihrer Angst kaum durch unser Verhalten beeinflussen lassen. Mir erschließt sich auch nicht so recht warum wir draußen anders (cooler) auf die Böllerei reagieren sollten als innen...

Bei den angstmachenden Knallgeräuschen kommt es nach meiner Erfahrung mehr auf die ganz bestimmte „Tonart“ ( z.B. Schwarzpulver) des Knalles an und nicht so stark, in gewissen Grenzen natürlich, auf die Lautstärke an sich. Und natürlich spielen Grundstimmungslage, genetische Disposition und eben auch die Umgebung eine Rolle.

Ich hatte neulich geschildert das Felix auf die recht lauten Gewehrschüsse im stillen Wald trotz meiner eigenen Furcht nicht ängstlich reagiert hat. Auf leisere Böllerschüsse innen oder lautere Böllerschüsse außen, die haben wir hier leider mehrfach im Jahr, reagierte er schon relativ stark. Das ist eben Schwarzpulver und dass hat ein ganz bestimmes Klangspektrum fast wie im Krieg...

LG
Freddy mit Felix der seine Ängste, die Böllerrei betreffend, wieder weitgehend verlernt hat...

PS: Ängste die erlernt wurden, kann man im Prinzip wieder verlernen. Es dauert aber viel länger...

Uschi

Re: Knallerei

Beitrag von Uschi » So 2. Jan 2011, 14:21

Hallo,

danke für Eure Antworten.

@Ilona
Wir rennen auch nicht zum Fenster und weder ärgern, noch freuen wir uns. Draußen erschrecke ich selbst sogar noch eher, wenn in der Nähe was hochgeht.

@Freddy
Ich weiß von keinem traumatischen Erlebnis, das Wijnta im Haus widerfahren sein könnte. Sie war immer bei uns, all die Jahre, es gab nichts, was m.E. ein Trauma hätte sein können. Sie hätte doch auch bei solch einem starken Erlebnis irgendwie angstvoll reagieren müssen. Aber es fing ganz leise an bei ihr. Vor 3 Jahren fing sie irgendwann während des Silvester-Abends an, etwas unruhig zu werden.





Liebe Grüße
Uschi

Antworten

Zurück zu „Erziehung & Verhalten“