Erwachsene Hündin geht plötzlich auf Hunde los

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rauher-Odenwald
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Erwachsene Hündin geht plötzlich auf Hunde los

Beitrag von rauher-Odenwald » Mi 6. Nov 2019, 14:01

Liebe Forengemeinde,

Nun komme ich zu dem Grund, der mich dazu veranlasst hat, mich in diesem Forum anzumelden. -In meiner Vorstellung habe ich etwas mehr zu Samba und mir geschrieben, hier möchte ich versuchen mich kurz zu halten und vorab nur das Wichtigste notieren:

- Samba ist im Sommer 2012 als Welpe zu uns gekommen
- bei einer Schulterhöhe von gut 61 cm bringt sie ca. 25 kg auf die Waage
- Sterilisation im Oktober 2013 (nach erster Läufigkeit im Sommer)
- September 2018: ein Lakeland Terrier Rüde im Alter von 9 Monaten wird unser „Zweithund“ (Kastration April 2019)
- September 2019: operative Entfernung eines fibroepithelialen Polypen am Ellenbogen; problemlose OP und Heilung

Bevor ich eine (hoffentlich nicht zu) ausführliche Beschreibung von Samba und ihrem sonst normalen Verhalten mit anderen Hunden abgebe, zu unserem Problem: Zum ersten Mal vor knapp anderthalb Wochen, ein zweites Mal nun am vergangenen Wochenende, hat sie andere Hunde angegriffen. Beides getrennte Fälle, aber sie kennt beide Hunde schon seit Jahren und kam bislang gut mit ihnen zurecht.

Im ersten Fall bin ich nicht dabei gewesen; meine Mama hatte den Eindruck, dass Samba der Hündin in Eifersucht an den Hals gesprungen sei (in Eifersucht darüber, dass die andere Hündin nicht auf ihre Aufforderung zum Spielen eingegangen ist und mehr Interesse an unserem Lakie als an ihr zeigte). Beide kennen sich schon seit Jahren und hatten sich bis dato sehr gut verstanden (wenn die andere, äußerst lebhafte, Hündin Samba zu wild wurde, hat sie sich einfach zurückgezogen).
Beim zweiten Mal bin ich dabei gewesen: Samba war leinenfrei unterwegs, und wir näherten uns einem uns bekannten Paar mit zwei Fox Terriern, die sich bislang gut bis sehr gut mit unseren Hunden verstanden haben. Der ältere Fox war ebenfalls ohne Leine unterwegs, und Samba näherte sich ihm so wie sie das mittlerweile seit Jahren und mit fast jedem Hund (auch im ersten beschriebenen Fall) macht: Lange stehen bleiben, sich etwas ducken und rüber starren. Danach stürmt sie meist auf einmal los, mit spielerischen Sprüngen, aber ohne sich auf den anderen Hund zu stürzen und ihn gar „umzuwerfen“. Das hat sie auch diesmal so gemacht, aber diesmal endete es damit, dass sie den anderen Hund angriff! Für mich gab es überhaupt keinen erkennbaren Grund für ihre Attacke, und sie stand nach wenigen Sekunden auf bzw. über dem Fox. Da habe ich sie an ihrer Weste (neonfarben, für den Wald) zurückgezerrt bekommen, war aber schon in größter Angst, dass sie den Fox beißen wolle.

Sie hat keinen der Hunde verletzt, wobei ich im letzten Fall lieber nicht wissen möchte, wie es weitergegangen wäre, wenn ich sie nicht zurückgezogen hätte. :( Der Besitzer des Fox war erstaunlich entspannt („Das machen Hunde manchmal, so sind Hunde eben.“), aber wir - die ganze Familie war dabei - waren entsetzt und wütend auf Samba. Ich war hinterher (und bin es noch) fürchterlich enttäuscht von ihr.
Mit dem Fox Terrier aus dem zweiten Fall - der übrigens in etwa so alt ist wie sie, und den sie auch schon von klein auf kennt - hat sie sich vor zwei Jahren schon einmal in die Wolle gekriegt, aber da ging es wohl von ihm aus, und sie hat sich verteidigt (bin selbst nicht dabei gewesen).
Weil ich nur beim letzten Fall selbst anwesend gewesen bin, bleib ich erstmal bei dem. Für mich war und ist es der absolute Albtraum - ich hätte nie, wirklich niemals, mit so einem Verhalten von Samba gerechnet. In den siebeneinhalb Jahren, die ich sie nun kenne, hat sie noch nie von sich aus einen Streit vom Zaun gebrochen, geschweige denn einen anderen Hund angegriffen. Und es gab keinen für mich ersichtlichen Grund für ihre Attacke auf den Fox Terrier.
Noch am Tag zuvor hatten wir noch eine andere Begegnung gehabt, mit einer tendenziell schwierigen Hündin aus dem Dorf; beide waren angeleint, und die andere Hündin hat direkt angefangen zu giften. In dem Fall ist Samba aber völlig entspannt geblieben und sah offenbar nicht den geringsten Anlass, auf die Anfeindungen der anderen Hündin zu reagieren. :dog_sit

Sie hatte auch sonst nie Probleme mit anderen Hunden bzw. ist solchen aus dem Weg gegangen. Über die Jahre hat sie nur zögerlich damit begonnen, deutlich zu machen, wenn sie mit dem Verhalten eines anderen Hundes nicht einverstanden ist, dann aber in der Regel mit Gebell und anschließendem Rückzug. Im April dieses Jahres hat sie sich tatsächlich auch mal körperlich zur Wehr gesetzt, als sie von einer (uns fremden und laut Besitzerin eher schwierigen) Hündin angegriffen wurde. Aber auch da kam es zu keiner Beißerei. Alle weiteren Kontakte zu anderen Hunden - ob bekannten oder fremden, ob auf Spaziergängen oder in der Hundepension - sind normal abgelaufen, reichten also von einfachem Desinteresse und Ignorieren bis hin zu äußerst regem Interesse und ausgelassenem Toben.
In der Hundepension ist sie bisher ein sehr gern gesehener Gast gewesen, weil sie dort als immer gut gelaunter und pflegeleichter Hund bekannt ist.
Ab und an verschreckt sie andere Hunde mit ihrer bisweilen stürmischen Art, aber sie hat sonst überhaupt kein dominantes (aber auch kein besonders devotes) Verhalten an den Tag gelegt - mit der Ausnahme, dass sie, ganz selten, versucht andere Hunde zu besteigen (darunter auch ältere, Rüden und unseren Lakeland Terrier!). -Aber auch mit unserem Lakie kam sie nach schon nach wenigen Tagen/Wochen sehr gut zurecht. Von „ein Herz, eine Seele“ kann vielleicht nicht die Rede sein, und um neues Spielzeug wurde auch schon mal gestritten (nicht gebissen!), aber sie spielen auch gerne miteinander und zusammen mit uns Zweibeinern, schlafen auf den Betten des jeweils anderen, … ich glaube sogar, dass sie einander etwas vermissen würden, wenn der/die andere weg wäre.

Meine Mama ist im Moment körperlich etwas eingeschränkt, in dem Sinne, dass es ihr schwer fallen würde, zwei Hunde zugleich an jeweils einer Leine zurückzuhalten. Daher ist es ihr lieber, in der nächsten Zeit den Kontakt zu anderen Hunden zu unterbinden. Ich halte es selbst für sinnvoll, Samba beim nächsten Mal bei sich zu behalten (sie hört eigentlich sehr gut auf uns). Nicht, um den Kontakt mit anderen Hunden um jeden Preis zu vermeiden, sondern um diese Begegnungen in geregelten Bahnen stattfinden zu lassen und sie sozusagen daran zu erinnern, wer der Chef im Hause ist (wobei sie in der Hinsicht bislang völlig unproblematisch gewesen ist).
Wenn sie einmal wieder in die Hundepension gehen sollte (für die nächsten Wochen ist kein Aufenthalt geplant), würden wir natürlich vorab Bescheid geben, aber ihr Verhalten dort gäbe vielleicht auch Aufschluss darüber, inwiefern wir - ihre Familie - Teil (der Ursache) des Problems sind, oder?
Natürlich habe ich auch schon an eine(n) Hundetrainer(in) gedacht, besonders wenn sich zeigen sollte, dass ihr Verhalten zur neuen „Normalität“ wird. Ich habe auch schon daran gedacht, den Tierarzt zu fragen, der sie schon fast ihr ganzes Leben lang kennt und weiß, wie gutmütig sie eigentlich ist. Andererseits zeigt sie sonst keine Veränderungen in ihrem Verhalten, weder auf den Spaziergängen noch zuhause (sie wirkte nur hungriger/hat mehr gebettelt als sie das sonst tut, fand ich - andererseits gebe ich, im Vergleich zur restlichen Familie, relativ viele Kekse während des Tages, deswegen weiß ich nicht, ob das auch einfach an meiner Anwesenheit lag).

Offen gestanden schwanke ich zwischen Entsetzen, Enttäuschung und Verzweiflung, wenn ich an die Attacken denke - es hat dem Bild von meinem „Traum-Familienhund“, der Samba für mich auch mit ihren sonst normalen Marotten bislang gewesen ist, einen großen Kratzer verpasst. :dog_sad
Andererseits habe ich Hoffnung, dass wir mit Samba daran arbeiten können - sie ist ja nicht dumm, und bösartig schon gar nicht. Nur dass ich leider selbst auf absehbare Zeit nicht wieder nach Hause komme, womöglich erst wieder zu Weihnachten.
Und ich weiß mir sonst keinen Rat und finde es schwierig, Informationen, geschweige denn eine Erklärung, zu so plötzlichen und radikalen Verhaltensveränderungen zu finden. Deswegen schreibe ich jetzt hier und hoffe auf Tipps, Anregungen und Erfahrungsberichte anderer Airedale-Halter und -Freunde. :sheep

Liebe Grüße,

Annika
Annika

„Das erste, das der Mensch im Leben vorfindet, das letzte, wonach er die Hand ausstreckt, das kostbarste, was er im Leben besitzt, ist die Familie.“ (Adolph Kolping)

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ChristaS
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Re: Erwachsene Hündin geht plötzlich auf Hunde los

Beitrag von ChristaS » Mi 6. Nov 2019, 14:55

Hallo Annika,

puuhhh, schwierig so eine Ferndiagnose zu stellen. Vorab aber ein paar Fragen:
Ist Samba tatsächlich sterilisiert oder doch kastriert? - Bei einer Sterilisation werden ja weiterhin Hormone produziert, die u.U. Einfluss auf das Verhalten der Hündin haben könnten. (Nur so'n Schuss ins Blaue...)
Kann es sein, dass Samba Schmerzen hat?
Zeigt sie das Verhalten nur, wenn sie frei ist? Dann würde ich vorläufig Leinenzwang verordnen, zumindest, wenn andere Hunde, auch bekannte, in Sicht kommen.
Hat sich Sambas Verhalten auch gegenüber eures Lakelands verändert?
Kannst du Samba nicht mal für eine gewisse Zeit mit zu dir nehmen, so ganz ohne Familie und Lakeland?

Sicher fallen mir demnächst noch mehr Fragen ein...
Meine mittlere Hündin Holly ist auch 7 Jahre alt und fängt an, teilweise launisch zu werden. Da fällt mir auf, das macht sie erst, seit Scarlett (jetzt 1,5 Jahre) langsam erwachsener wird und speziell während Scarletts Läufigkeit. Und mein Oldie Laima hat es damals bei Holly genauso gemacht. Daher gleich die nächste Frage: Kann es sein, dass sie euren Lakie "beschützen" will?
Ansonsten halte ich die Aussage des Foxl-Besitzers für realistisch, auch unsere Hunde sind nicht jeden Tag gleich drauf.

Ich weiß, das war jetzt keine große Hilfe! Aber bitte, sei niemals enttäuscht von deinem Hund. Unsere Hunde agieren instinktiv, nicht unbedingt für uns rational. Für jedes Verhalten gibt es einen Grund, auch wenn wir Zweibeiner den nicht immer sofort verstehen.

Liebe Grüße,
Christa
... mit Butzi und Olympia im Herzen.

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sabem
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Re: Erwachsene Hündin geht plötzlich auf Hunde los

Beitrag von sabem » Mi 6. Nov 2019, 14:59

Hallo Annika (und erstmal auch von mir herzlich willkommen hier im Forum!),
ich würde Samba mal auf eine Schilddrüsenunterfunktion testen lassen, mit allen Werten. Ich weiß, dass die SDU oft für alle möglichen Symptome herhalten muss, aber plötzliches bezw. erstmalig auftretendes Aggressionsverhalten gehört eindeutig zu den möglichen Folgen.
Zu SDU neigen mehr kastrierte als intakte Hündinnen. Der Schilddrüsentest ist ja unkompliziert machbar, und dann wüsstet Ihr vielleicht schon den Grund für ihr ungewöhnliches und Euch unverständliches Verhalten.
Sabine mit Emma *3.2.2012
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rauher-Odenwald
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Re: Erwachsene Hündin geht plötzlich auf Hunde los

Beitrag von rauher-Odenwald » Mi 6. Nov 2019, 22:01

Guten Abend, liebe Christa und liebe Sabine,
Ich weiß, das war jetzt keine große Hilfe! Aber bitte, sei niemals enttäuscht von deinem Hund. Unsere Hunde agieren instinktiv, nicht unbedingt für uns rational. Für jedes Verhalten gibt es einen Grund, auch wenn wir Zweibeiner den nicht immer sofort verstehen.
Im Gegenteil, ich finde eure Überlegungen und Fragen wirklich hilfreich! Sie ermöglichen es mir in andere Richtungen zu denken, auf die ich alleine vielleicht gar nicht käme. Und gerade jetzt empfinde ich es als tröstlich, wenn sich mögliche und plausibel erscheinende Ursachen für Sambas verändertes Verhalten aufzeigen, weil sie das ganze leichter begreiflich machen und ich mich nicht ganz so ohnmächtig fühle.
Auch deswegen stimme ich Dir zu, Christa, bzw. ich empfinde meine Enttäuschung von Samba ihr gegenüber auch nicht als gerecht - vielleicht gab es keinen offensichtlichen Grund, auf die anderen Hunde loszugehen, aber aus Jux und Dollerei wird sie es sicher nicht getan haben. (In beiden Fällen machte sie hinterher auch nicht den Eindruck eines rauflustigen Rowdys, so als ob sie es kaum erwarten könnte, sich gleich wieder auf den anderen Hund zu stürzen.) -Ich glaube, meine Enttäuschung rührt auch von der Angst her, dass beim nächsten Mal doch etwas Schlimmes passieren könnte. Ich bin immer noch heilfroh, dass beim letzten Mal nichts Schlimmeres passiert ist, und dass die Fox-Besitzer, die Samba auch schon von klein auf kennen, so ruhig geblieben sind.
Ist Samba tatsächlich sterilisiert oder doch kastriert? […]
Kann es sein, dass Samba Schmerzen hat?
Zeigt sie das Verhalten nur, wenn sie frei ist?
Wenn ich meine Mama richtig verstanden habe, war Samba beim ersten Vorfall angeleint (und die andere Hündin auch). Beim zweiten Mal war sie leinenfrei unterwegs - und der Fox ebenfalls. :think:
Ich bin sehr sicher, dass Samba „nur“ sterilisiert wurde, habe aber ehrlich gesagt nicht mehr daran gedacht, was das für die Hormonproduktion bedeutet und dass diese dadurch eben nicht beeinträchtigt wird. Unser Tierarzt hatte sich (gegenüber einer Kastration) für eine Sterilisation ausgesprochen, sofern sich bei der OP keine Gründe aufgetan hätten, die doch für eine Kastration gesprochen hätten. -So oder so, ich werde das abklären, um Sicherheit zu haben!
Aus meiner Sicht und meiner Erfahrung mit den (zum Glück nur wenigen) Situationen, in denen Samba tatsächlich Schmerzen gehabt und diese auch angezeigt hat, spricht nichts dafür, dass sie im Moment Schmerzen hätte. Aber auch hier kann ein TA-Besuch nicht schaden, um etwas ausschließen zu können oder uns bis jetzt verborgen Gebliebenes aufzudecken…
Hat sich Sambas Verhalten auch gegenüber eures Lakelands verändert? […]

Meine mittlere Hündin Holly ist auch 7 Jahre alt und fängt an, teilweise launisch zu werden. Da fällt mir auf, das macht sie erst, seit Scarlett (jetzt 1,5 Jahre) langsam erwachsener wird und speziell während Scarletts Läufigkeit. Und mein Oldie Laima hat es damals bei Holly genauso gemacht. Daher gleich die nächste Frage: Kann es sein, dass sie euren Lakie "beschützen" will?
Interessante Beobachtung! Wir hatten auch schon überlegt, ob und inwiefern ihr Verhalten mit ihm zusammenhängt. Allerdings gab es bei dem Vorfall, bei dem ich dabei gewesen bin, nichts was mir aufgefallen wäre, was bei ihr berechtigterweise den Beschützerinstinkt hätte „triggern“ können. Überhaupt gab es bislang noch keine Situation, in der Samba gegenüber unserem Lakie Mutter- oder andere Beschützergefühle gezeigt hat... sie hat auch nie besonderes Interesse daran gezeigt, sich an seiner Erziehung zu beteiligen (weder im positiven noch im negativen Sinne), wie das einige Hütehunde in unserem Bekanntenkreis gerne tun.
Auch sonst hat sich ihr Verhalten gegenüber unserem Lakie nicht wesentlich verändert, soweit ich das aus der Ferne bzw. aufgrund der Berichte meiner Eltern und meiner eigenen Beobachtungen während der vergangenen anderthalb Monate beurteilen kann.
Aber wo Du sagst, dass Holly mit ihren ebenfalls sieben Jahren jetzt anfängt launisch zu werden, das erinnert mich nun doch etwas an Samba. Im Haus wirkt sie etwas gesetzter und gemütlicher (sie ist mit nach wie vor großer Begeisterung mit dabei auf den Spaziergängen und zum Teil sehr ausgedehnten Dauerläufen), und sie ist etwas grummeliger geworden, wenn sie müde ist und wir sie streicheln, obwohl sie ja kein besonders begeisterter Schmuser ist.

Er dagegen hat sich im Vergleich zu letztem Jahr, als er noch ganz frisch bei uns angekommen ist, sehr zum Positiven verändert; wirkt erwachsener und ist jetzt quasi stubenrein. :pinkeln -Weswegen die zwei jetzt sogar mehr Bewegungsfreiheit im Haus genießen als vorher und sich im Prinzip auch besser aus dem Weg gehen können, wenn sie einander doch mal auf die Nerven gehen sollten.
Sicher auch weil wir uns gegenseitig besser kennen und verstehen gelernt haben, ist er auch umgänglicher geworden und kooperativer, finde ich. Mit Samba versteht er sich Gott sei Dank gut (er kann mit anderen Hunden ein richtig fieser Pöbel sein!); Streitereien sind wirklich selten und drehen sich dann allermeist um ein neues Spielzeug.
Kannst du Samba nicht mal für eine gewisse Zeit mit zu dir nehmen, so ganz ohne Familie und Lakeland?
Leider nein, obwohl ich das wahnsinnig gerne täte (schon unabhängig von unserem Problem). :herat
Schon von früheren Besuchen meiner Eltern mit den Hunden bei uns weiß ich, dass sie sich in unserer Wohnung nicht übermäßig wohl fühlt (in der Heimat lebt sie mit meinen Eltern und Lakie in einem Haus, in dem sie sich quasi 24/7 frei bewegen kann), und hier würde es wohl zwangsläufig darauf hinauslaufen, dass ich langfristig entweder ihr oder mir (bzw. meiner Zukunft) nicht gerecht werden würde… :dog_sad


ich würde Samba mal auf eine Schilddrüsenunterfunktion testen lassen, mit allen Werten. Ich weiß, dass die SDU oft für alle möglichen Symptome herhalten muss, aber plötzliches bezw. erstmalig auftretendes Aggressionsverhalten gehört eindeutig zu den möglichen Folgen.
Danke für den Hinweis, Sabine, (und für‘s Willkommenheißen an dieser Stelle)! Was genau meinst Du mit „allen Werten“ bzgl. des Tests auf SDU? Beziehst Du Dich auf die subklinische SDU? Ich habe heute das allererste Mal über SDU beim Hund gelesen, deswegen kenne ich mich da überhaupt nicht aus…



Nach euren Beiträgen und den Überlegungen, die ihr bei mir angestoßen habt, ist ein Tierarztbesuch ist für mich jetzt der naheliegendste nächste Schritt, um der Ursache (und damit der Lösung) des Problems hoffentlich näher zu kommen. Selbst, wenn es „nur“ zum Ausschluss einer von x verschiedenen Möglichkeiten führen sollte. :dog_ill

Ich bin gespannt, ob euch oder/und anderen Forumsmitgliedern noch mehr Fragen und Ideen einfallen.
Wünsche eine gute Nacht und freue mich, wenn ihr eure Gedanken hierzu mit mir teilt! :ykaffee
Annika

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sabem
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Re: Erwachsene Hündin geht plötzlich auf Hunde los

Beitrag von sabem » Do 7. Nov 2019, 09:21

Hallo Annika,
bei einem Schilddrüsenpofil wird außer den SD-Werten T3, T4 und TSH oft auch der Cholesterinwert getestet, der bei einer subklinischen SDU (die meinte ich, bei einer klinischen hätte Samba noch andere offensichtlichere Probleme wie schlecht werdendes Fell, Müdigkeit etc.) oft erhöht ist. Bei der subklinischen SDU können die Schilddrüsenwerte noch im unteren Normbereich sein, weswegen die Diagnose nicht immer einfach ist.
Aber die Laborwerte zusammen mit den beschriebenen Verhaltensauffälligkeiten ergeben für den Tierarzt schon ein Bild. Wenn der Hund dann das ihm wohl fehlende Schilddrüsenhormon Thyroxin bekommt und damit das plötzlich aufgetretene Verhalten wieder verschwindet, Hund also wieder „normal“ wird, wäre das ein Treffer.
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lutz
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Re: Erwachsene Hündin geht plötzlich auf Hunde los

Beitrag von lutz » Do 7. Nov 2019, 09:38

Hallo Annika,
zuerst möchte ich Dich einmal bei uns im Forum herzlich begrüßen bevor ich auf Dein Problem eingehe.
Im Prinzip sehe ich das so dass zuerst einmal ja nichts weiter Schlimmes passiert ist und ja kein Blut geflossen ist so dass man diese Vorfälle eigentlich in ein ganz normales Hundeverhalten einordnen kann.
ich habe meinen dritten Airedale. Nachdem ich zwei Rüden, Dingo und Joker hatte, habe ich nun meine jetzt 7 jährige Greta als Hündin und bei der kann ich auch feststellen dass sie so seit gut einem Jahr immer launischer wird und dass sie mich auch schon so manches mal damit überrascht hat dass sie plötzlich auf andere Hunde überfallartig los geht selbst wenn sie diese schon seit Jahren kennt. Dabei ist es ihr auch ziemlich schnuppe ob sie an der Leine ist oder frei herumläuft wie sie es meist tut.Es passiert dabei allerdings auch nie etwas Ernsthaftes und es hat noch kein fremder Hund eine Schramme davon getragen obwohl es schon mal gefährlich aussieht. Denn wird sie von mir kräftig zusammengestaucht indem ich sie anbrülle oder wenn es sein muss ich ihr auch eine Ohrfeige verpasse. Wobei ich allerdings nicht den Eindruck habe dass sie das sonderlich beeindruckt. solange es dabei bleibt halte ich das auch für ganz normales Hundeverhalten wer guckt denn schon in die Hundeköpfe und weiß was darin vorgeht und was ihnen dann den anderen Hunden plötzlich nicht passt oder wodurch sie sich nun auf den Schlips getreten oder beleidigt fühlen. Es kann natürlich auch sein dass sich Sambas Lebensumstände durch Euren Zweithund sich für sie gefühlsmäßig geändert haben, eben Eifersucht ins Spiel kommt oder ihr Beschützerinstinkt geweckt wurde, was ich aber eher nicht glaube.
Hündinnen werden eben mit dem Alter eher zickiger und launischer während meine Rüden da schon mal eher so ab 5 Jahren mit sogenannten Kommentkämpfen zur Sache gingen wenn sie meinten dass ein anderer Rüde ihnen den Rang ablaufen wollte oder ihnen nicht die nötige Ehrerbietung erwiesen hatte die sie meinten verdient zu haben. Dabei hat es denn schon mal einige Schrammen gegeben die manchmal denn auch vom Tierarzt genäht werden mussten, aber das ist noch ein anderes Thema und betrifft keine Hündinnen denn gerade auch mein Joker, 65cm Schulterhöhe und 41kg, der ein großer Straßenkämpfer war hätte sich von Hündinnen eher totbeißen lassen als dass er ihnen etwas getan hätte. Rüden die auf Hündinnen los gehen ticken nicht richtig in der Birne. Feinde die sich schon aus der ersten Begegnung ergeben und was sich denn später schon allein bei der Sichtung dieser Hunde zeigt hat natürlich jeder Hund genau wie wir nicht mit jedem anderen Menschen klar kommen. Hunde zeigen dass aber denn auch ganz klar und halten damit nicht hinter dem Berg wie es denn Menschen eher tun würden die einen freundlich anlächeln würden und jemanden hintenherum schlecht machen würden. Hunde sind da sehr ehrlich, Hunde lügen nicht.
Also ich würde mir da aus Deiner Warte heraus noch nicht allzuviel Gedanken machen wenn Die Hündin sich mit dem Älterwerden auch anders verhält und vielleicht auch nicht mehr so duldsam ist wie sie in jüngeren Jahren war.
Natürlich kann das auch mit einem verändertem Hormonspiegel zu tun haben wenn Samba tatsächlich nur sterilisiert worden und nicht kastriert worden ist. (Viele Tierärzte halten das allerdings für einen Kunstfehler aber das ist ein anderes Thema). Ich glaube das aber nicht. Die Erfahrungen die ich aus dem Bekanntenkreis mit 2 anderen Airedalehündinnen gemacht habe die wirklich Unverträglichkeit mit anderen Hunden an den Tag legten zeigten sich schon spätestens im zweiten Lebensjahr und dann so dass sie die Gegner regelrecht so "auseinandergenommen" haben dass sie in die Tierklinik mussten. Die sind regelrecht durchgedreht und eine Hündin hatte der anderen Hundebesitzerin tatsächlich einen Finger so gut wie abgebissen. Die andere Hündin wurde nach mehreren ernsthaften Vorfällen nach dem vergeblichen Versuch mit einer Umerziehung mit einer auf schwierige Hunde spezialisierten Tierärztin die nur noch so etwas machte und ansonsten nicht mehr kurativ tätig war, versuchsweise kastiert weil ein zu stark schwankender Hormonspiegel angenommen wurde, was aber alles nichts genützt hatte. Es half nur diese Hündin generell an der kurzen Leine zu lassen und fremde Hunde zu meiden.
Also ich würde in Deiner Stelle da die Ruhe bewahren und gelassen bleiben auch wenn Du von Deiner Hündin erst einmal enttäuscht wurdest. Da ist Deine Erwartungshaltung wahrscheinlich zu hoch weil das nun 7 Jahre lang ohne irgendwelche Zwischenfälle gegangen ist. Wenn sie an der Leine weiter herumzickt wird sie mit einem scharfen Ruck zur Ordnung gerufen und wenn sie dieses freilaufend macht habe ich Greta kräftig angebrüllt damit sie ablässt und hinterher habe ich sie gleich Unterordnungsübungen machen lassen wie Sitz und Platz und das gleich einpaar mal hintereinander damit sie weiß wer hier das sagen hat. Mit gutem liebevollen Dududu ist da leider nichts getan.
Also bisher sehe ich da wirklich bei Euch nichts Dramatisches. Hunde, und gerade Terrier sind nun mal so.
Ich kann mich noch gut an meine alte erfahrene Tierärztin erinnern bei der ich mit meinem Rüden Joker das soundsovielte Mal zum Nähen war weil er sich wieder mit einem anderen Rüden gekloppt hatte, wobei es ihm egal war ob dass ein Rottweiler, Akita Inu oder sonst ein Hund war der ein paar Gewichtsklassen über ihm lag, die mir klipp und klar sagte: " Das ist so wenn man einen Terrier hat und dennoch dazu einen Rüden".
Damit wirst Du sicher keine Probleme bekommen, alle Airedales die generell nicht mit anderen Hunden klar kamen und die ich gekannt habe wurden das schon in jüngeren Jahren und m.E. hat es immer daran gelegen dass diese Hunde nicht frühzeitig mit anderen Hunden sozialisiert wurden und die Spielregeln des Zusammenlebens mit Artgenossen nicht beherrschten.
Ich würde hier auf jeden Fall noch nicht gleich mit Kanonen auf Spatzen schießen und gleich mit dem Problem zum Tierarzt laufen. So wie Du es geschildert hast kann man eigentlich Schmerzen ausschließen die bei älteren Hunden aufgrund von Arthrose und ähnlichem auftreten können und den Hund knatschig werden lassen. Beobachte Samba weiterhin einigermaßen entspannt und erst wenn sich ihr Verhalten weiter sehr verschlechtert würde ich beim TA mal die Schilddrüse untersuchen lassen bevor ich da weiter was unternehmen würde, ansonsten ist es nämlich so dass ein TA bei einer 7jährigen Hündin schon mal leicht etwas findet was er für so behandlungswürdig hält dass er einem Patientenbesitzer damit Geld abluchsen kann ohne das Problem weswegen man zu ihm kommt damit wirklich zu lösen. (Dazu gehören auch die Schilddrüsenwerte die je nach TA für alles Mögliche verantwortlich gemacht werden, wobei das sehr umstritten ist, denn eigentlich müssten bei grenzwertigen Schilddrüsenergebnissen oftmals völlig unauffällige Hunde damit ziemlich aus der Rolle fallen. Tun sie aber nicht.).

Viele Grüße von lutz mit Greta
Die Beziehung zwischen einem Mann und seinem Hund ist heilig,
was die Natur vereint hat, soll keine Frau trennen.

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Lena
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Re: Erwachsene Hündin geht plötzlich auf Hunde los

Beitrag von Lena » Do 7. Nov 2019, 11:47

Hallo Annika,

geht Samba nur auf Hündinnen los oder macht sie das auch bei Rüden? Und wann hat das angefangen; nachdem der Lakeland bei euch eingezogen ist?
Ich vermute ja ganz stark, daß sie ihren Rüden beschützt und für sich beansprucht. Vielleicht wäre es hilfreich, wenn deine Mutter in Zukunft getrennt mit den Hunden läuft, zumal der Lakeland, wie du schreibst, auch andere Hunde anpöbelt.
Er spornt damit wahrscheinlich eure Hündin noch an.

Es wär nicht schlecht, da mal einen Trainer draufschauen zu lassen. Meistens erkennen die noch mehr als die angestammten Personen.
Schau mal unter "Trainieren statt dominieren", dort sind Trainer nach PLZ gelistet. Vielleicht findet sich was in der Nähe deiner Eltern.

Schilddrüse würde ich aber trotzdem kontrollieren lassen. Ab einem bestimmten Alter kann es nicht schaden, mal ein großes Blutbild, samt Schilddrüsenkontrolle, machen zu lassen.

LG Lena

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rauher-Odenwald
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Re: Erwachsene Hündin geht plötzlich auf Hunde los

Beitrag von rauher-Odenwald » Do 7. Nov 2019, 21:37

Liebe Sabine, danke für die Erläuterung zum Schilddrüsenprofil! :)

Liebe Lena, ich gehe zuerst auf Deinen Beitrag ein, weil er kürzer ist als Lutz (bitte nicht als Vorwurf missverstehen!). :angel:
geht Samba nur auf Hündinnen los oder macht sie das auch bei Rüden? Und wann hat das angefangen; nachdem der Lakeland bei euch eingezogen ist?
Ich vermute ja ganz stark, daß sie ihren Rüden beschützt und für sich beansprucht. Vielleicht wäre es hilfreich, wenn deine Mutter in Zukunft getrennt mit den Hunden läuft, zumal der Lakeland, wie du schreibst, auch andere Hunde anpöbelt.
Er spornt damit wahrscheinlich eure Hündin noch an.
An eine Hundeschule habe ich auch schon gedacht und mich auch schon entsprechend informiert. Wenn sich ihr Verhalten längerfristig in diese Richtung verändern sollte und keine körperliche Ursache festgestellt werden kann, würde ich auf jeden Fall zu einem Trainer gehen!
Nun zu Deinen Fragen: Der erste Vorfall hat sich vor knapp zwei Wochen ereignet, mit einer jüngeren (ca.vier, fünf Jahre alt?) Hündin. Das zweite (und bisher letzte) Mal am vergangenen Wochenende mit einem Fox Terrier Rüden, der in etwa so alt ist wie sie. Beide kennt sie schon seit Jahren, mehr oder weniger ihr bzw. deren Leben lang; im einen Fall waren beide angeleint, glaube ich, im anderen beide leinenfrei. :|
Angefangen hat das ganze also vor zwei Wochen, während unser Lakeland schon seit über einem Jahr bei uns ist und sich sein Verhalten über die letzten Monate zum Guten verändert hat (auch was Pöbeleien angeht, für die er vor allem in der Hundepension bekannt ist, während es bei uns zuhause und auf Spaziergängen selten zu Pöbeleien kommt, und das nicht nur, weil er - aufgrund seines kaum zu kontrollierenden Jagdtriebs - ohnehin immer an der Leine bleiben muss). Außerdem war er beim zweiten Vorfall ein gutes Stück hinter Samba und dem Fox und konnte gar nicht auf die Situation einwirken, selbst wenn er das gewollt hätte: Der Fox-Rüde war allein auf Samba konzentriert (und sie auf ihn), und unser Lakie war mehr an der Fox-Hündin interessiert, die völlig unbeteiligt (und ebenfalls angeleint) war.
Und wie gesagt, Samba hat in den vergangenen Monaten nicht das geringste Anzeichen gegeben, das dafür sprechen würde, dass sie unseren Lakie beschützen wolle. Auch in der Hundepension zeigt sie kein gesteigertes Interesse an unserem Lakie, ganz am Anfang zumindest war es sogar so, dass sie eher so getan hat als ob sie gar nichts mit ihm zu tun hätte, obwohl sie sich schon da nicht schlecht mit ihm verstanden hat. Und auch wenn Samba markiert und - sehr selten - versucht andere Hunde zu besteigen, sie macht kaum irgendwelche Besitzansprüche deutlich.

Lieber Lutz, auch Dir vielen Dank für's Willkommenheißen, und auch für Deinen langen und ausführlichen Beitrag und Bericht von Deinen bisherigen Erfahrungen!
Im Prinzip sehe ich das so dass zuerst einmal ja nichts weiter Schlimmes passiert ist und ja kein Blut geflossen ist so dass man diese Vorfälle eigentlich in ein ganz normales Hundeverhalten einordnen kann.
Feinde die sich schon aus der ersten Begegnung ergeben und was sich denn später schon allein bei der Sichtung dieser Hunde zeigt hat natürlich jeder Hund
Das ist etwas, was Samba tatsächlich noch nie gehabt hat! Sie war immer sehr gut verträglich und hat vorher noch nie einen Funken von Feindseligkeit gezeigt. Das eine Mal, dass sie selbst angegriffen wurde, war sie tatsächlich bereit den Kampf aufzunehmen, aber ansonsten, wenn es Stress mit anderen Hunden gab (der dann auch immer von den anderen ausging!), hat sie es in der Regel vorgezogen, sich zurückzuziehen und Abstand zu halten. Auch ohne unser Zutun. Das ist auch der Grund, warum ich ihre Attacken auf die anderen Hunde überhaupt nicht als "normal" empfinde. Sie, die Attacken, stehen meines Erachtens nach in einem so krassen Gegensatz zu Sambas bisherigen Verhalten und "Krisenmanagement", dass ich nicht glauben kann, dass sie einfach nur ihrem Alter und der damit einhergehenden und zunehmenden Eigensinnigkeit geschuldet sind.
Also ich würde mir da aus Deiner Warte heraus noch nicht allzuviel Gedanken machen wenn Die Hündin sich mit dem Älterwerden auch anders verhält und vielleicht auch nicht mehr so duldsam ist wie sie in jüngeren Jahren war.
Denn etwas launischer scheint sie mir schon geworden zu sein, das meinte ich ja auch schon zu Christa (s. zweiter Beitrag). Aber das äußert sich meiner Meinung nach vor allem darin, dass sie im Haus etwas gemütlicher und gesetzter worden ist, mehr und früher anfängt zu brummeln, wenn wir sie zu sehr begrabbeln, und darin dass sie jetzt früher anzeigt, wenn ihr etwas am Verhalten eines anderen Hundes bzw. unseres Lakies nicht passt. Denn die Art wie sich mitteilt hat sich nicht verändert: in aller Regel ein Brummeln, allerhöchstens ein Bellen, und anschließender Rückzug. Früher hat es lange gedauert, bis sie mal ein Machtwort gesprochen hat, aber die Grenze, ab der man ihr angesehen hat, dass sie sich nicht wohlfühlt, ist jetzt nicht schneller erreicht als früher, meine ich.
Aber wie gesagt, sie belässt es meist bei einem Bellen, ehe sie sich dann zurückzieht. Für sie galt bislang eher der Wahlspruch: "Die meisten Probleme lösen sich von alleine. Man darf sie nur nicht dabei stören." Sie sucht ihr Heil lieber in der Flucht als dass sie sich dazu herablässt, schlechte Laune zu entwickeln, die sie schon bei uns nicht ausstehen kann (es reicht, dass man am Telefon schlecht gelaunt klingt, damit sie sich unwohl fühlt und bei uns Schutz sucht).

Ich stimme Dir aber darin zu, ich halte es selbst eher für unwahrscheinlich, dass Samba aus Eifersucht oder wegen eines geweckten Beschützerinstinkts handelt. (Eifersucht auf den Zweithund hat sich bei ihr bislang so geäußert, dass sie sich dazwischengedrängt hat. Aber dieses Verhalten hat meiner Meinung nach über die letzten Monate sogar eher abgenommen, auch vonseiten unseres Lakies.) Und auch Schmerzen halte ich als Ursache ihrer neuen Verhaltensweise eher für ausgeschlossen.
Denn wird sie von mir kräftig zusammengestaucht indem ich sie anbrülle oder wenn es sein muss ich ihr auch eine Ohrfeige verpasse. Wobei ich allerdings nicht den Eindruck habe dass sie das sonderlich beeindruckt.

[…]

Wenn sie an der Leine weiter herumzickt wird sie mit einem scharfen Ruck zur Ordnung gerufen und wenn sie dieses freilaufend macht habe ich Greta kräftig angebrüllt damit sie ablässt und hinterher habe ich sie gleich Unterordnungsübungen machen lassen wie Sitz und Platz und das gleich einpaar mal hintereinander damit sie weiß wer hier das sagen hat. Mit gutem liebevollen Dududu ist da leider nichts getan.
Samba hat sich, laut Aussage meiner Mutter, nach dem ersten Vorfall offensichtlich geschämt als sie dafür geschimpft wurde (Mama war am Abend heiser…), und auch beim letzten Vorfall hatte ich sogar eher den Eindruck, dass sie sich selbst nicht ganz im Klaren darüber war, was da eigentlich gerade alles passiert war. Von Kampfeslust, Frust über einen nicht beendeten Streit oder Desinteresse an unserem Geschimpfe war da nichts zu sehen. Tatsächlich habe ich sie noch nie - und das schließt die Attacke mit ein, bei der ich dabei gewesen bin - von Ärger unbeeindruckt gesehen, ganz im Gegensatz zur Anfangsphase mit unserem Lakie, der da wohl voll in der Pubertät gesteckt hat.
Als ich in meinem Eingangsbeitrag geschrieben habe, dass ich es nicht verkehrt finde, wenn Samba bei den nächsten Begegnungen mit Hunden zunächst an die Leine und bei meiner Mama bleiben muss, habe ich auch an "damit sie weiß, wer hier das Sagen hat" gedacht - mit unserem Lakie versuche ich das schon systematisch z.B. mit "Hier", "Sitz", "Nein" (auch bei Wild oder wenn er eine Maus in ihrem Loch besuchen möchte), weil er manchmal offenbar meint, die Situation neu und anders bewerten zu müssen als wir.
Beobachte Samba weiterhin einigermaßen entspannt und erst wenn sich ihr Verhalten weiter sehr verschlechtert würde ich beim TA mal die Schilddrüse untersuchen lassen bevor ich da weiter was unternehmen würde, ansonsten ist es nämlich so dass ein TA bei einer 7jährigen Hündin schon mal leicht etwas findet was er für so behandlungswürdig hält dass er einem Patientenbesitzer damit Geld abluchsen kann ohne das Problem weswegen man zu ihm kommt damit wirklich zu lösen.
Leider kann ich mich jetzt ja nur auf das die weiteren Beobachtungen und Erfahrungen meiner Eltern stützen, weil ich selbst nicht vor Ort bin. Ich werde ihnen selbst vermutlich sagen, dass ich für einen Tierarztbesuch bin, schon weil der Tierarzt Samba sehr gut kennt und ich aufgrund unserer Erfahrungen mit ihm das Vertrauen in ihn habe, dass er nicht allein des Geldes wegen eine Diagnose stellen/Behandlung anleiern wird. Darüber hinaus haben wir einen anderen Tierarzt in unserem Freundeskreis, bei dem wir uns auch eine Einschätzung oder ggf. eine Zweitmeinung einholen könnten.
Es kann aber auch sein, dass meine Eltern das so sehen wie Du, Lutz, und sie erst bei weiterer Verschlechterung von Sambas Verhalten den Tierarzt aufsuchen. Wir werden uns am Wochenende ziemlich sicher nochmal (telefonisch) besprechen.

Sooo, das ganze ist jetzt vielleicht etwas wirr… ich bitte um Entschuldigung. Fragt gerne nach, wenn etwas nicht ganz verständlich ist oder wenn euch weitere Fragen einfallen!

Ich wünsche eine gute Nacht, :schaukel
Annika

„Das erste, das der Mensch im Leben vorfindet, das letzte, wonach er die Hand ausstreckt, das kostbarste, was er im Leben besitzt, ist die Familie.“ (Adolph Kolping)

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lutz
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Re: Erwachsene Hündin geht plötzlich auf Hunde los

Beitrag von lutz » Fr 8. Nov 2019, 08:13

Hallo Annika,

ich glaube kaum dass Samba sich für die Vorfälle "geschämt" hat sondern eher Eure Reaktionen darauf sie verwirrt haben. Sie hat das was sie da veranstaltet hatte für gut und richtig gehalten und sich wahrscheinlich sehr über Eure Reaktionen gewundert dass ihr das anders gesehen habt. Aus ihrer Sicht habt ihr keine Ahnung warum sie es für notwendig hielt die Foxterrier anzugreifen.
So sieht der Hund die Sachlage was nun natürlich nicht heißt dass man dieses dulden muss sondern Wege finden muss dieses abzustellen. Das heißt er muss kapieren dass Herrchen oder Frauchen über diese Verhalten anderen Hunden gegenüber sehr, sehr böse werden können. Da aber jeder Hund seinem Herrchen oder Frauchen gefallen will sollte man das ausnutzen und ihm klar zeigen dass dieses Fehlverhalten ein liebes Frauchen in ein böses Frauchen verwandeln kann, zur Not eben auch mit einer Schocktherapie die er nicht gewohnt ist. Bei mir hilft das lautstarke Brüllen und zur Not auch eine Backpfeife was Greta nicht gewohnt ist, obwohl ich meinen Hund sonst selbstverständlich nicht schlage, und danach wird der Hund an die kurze Leine genommen und die nächste Viertelstunde vollkommen ignoriert. Wichtig ist dass Deine Reaktion unmittelbar nach dem Vorfall geschieht, sich längere Zeit beleidigt zeigen bringt da gar nichts und der Hund kann damit nichts anfangen. (und "schämt" sich auch nicht).

Dabei ist es egal wie lieb sich der Hund normalerweise im Alltag zeigt, man muss immer und in jeder Situation der Chef bleiben. Hunde wollen autoritär geführt werden, das ist wirklich so, wie im Wolfsrudel ist einer der Chef und der Chef allein entscheidet wie Probleme behandelt werden.
Hunde sind keine Demokraten und brauchen eben manchmal auch eine härtere Hand des Hundehalters um zu wissen wo es lang geht, erst dann fühlen sie sich gut aufgehoben und auch richtig wohl und sicher und nur so wird man ein gutes zusammengehöriges Gespann.

Viele Grüße von lutz mit Greta
Die Beziehung zwischen einem Mann und seinem Hund ist heilig,
was die Natur vereint hat, soll keine Frau trennen.

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Re: Erwachsene Hündin geht plötzlich auf Hunde los

Beitrag von rauher-Odenwald » Fr 8. Nov 2019, 09:22

Guten Morgen, Lutz,
ich glaube kaum dass Samba sich für die Vorfälle "geschämt" hat sondern eher Eure Reaktionen darauf sie verwirrt haben.
„schämen“ ist tatsächlich der falsche Ausdruck gewesen… aber es war ihr eindeutig anzusehen, dass ihr unsere Reaktion auf ihr Verhalten äußerst unangenehm war. Womöglich kam ihre Verwirrung (unmittelbar nach dem zweiten Vorfall wirkte sie zumindest auf mich verdattert) genau wie Du sagst daher, dass es für sie irgendeinen guten Grund gab, für die Attacke, während wir ihr unmissverständlich zu verstehen gegeben haben, dass wir ihr Verhalten - ganz im Gegensatz zu ihr - absolut nicht gerechtfertigt fanden.
Das heißt er muss kapieren dass Herrchen oder Frauchen über diese Verhalten anderen Hunden gegenüber sehr, sehr böse werden können. […] Wichtig ist dass Deine Reaktion unmittelbar nach dem Vorfall geschieht, sich längere Zeit beleidigt zeigen bringt da gar nichts
Dessen bin ich mir durchaus bewusst, und das haben wir ihr alle direkt danach sehr deutlich zu Verstehen gegeben - sie hat gehörigen Ärger bekommen, und die letzten hundert Meter, die wir noch nach Hause hatten, ist sie nicht mehr von der Leine gekommen. Auch zuhause wurde dann nicht einfach der Schalter umgelegt als sei nichts gewesen. Aber natürlich wurde sie nicht für den Rest des Tages geächtet oder angeschnauzt, das hätte ja nichts mehr gebracht.
Samba hat schon immer ein sehr großes Bestreben gezeigt, zu gefallen bzw. zu vermeiden, dass man auf sie böse ist. Es braucht bei ihr nicht nicht viel, um ihr deutlich zu machen, dass man ihr wirklich böse ist. Bei „kleinen Vergehen“ langt es denn auch, sie bei sich absitzen zu lassen und sie anzuzischen; man muss bei ihr eigentlich weder laut noch handgreiflich werden. Dementsprechend hat sie das Donnerwetter, das sie nach den beiden Vorfällen zu hören/spüren bekommen hat, alles andere als kalt gelassen.

Samba ließ bisher prima mit sich arbeiten, gerade wenn man erwünschtes Verhalten belohnt hat. Ich glaube, sie weiß ganz genau, dass sie durch Folgeleisten Ärger umgehen und dafür - im Gegenteil - sogar unser Wohlsein ernten kann (weswegen ihr Jagdtrieb uns im Wald nicht das geringste Problem bereitet). Das ist mit ein Grund, warum ich sie bei der nächsten Hundebegegnung bei mir behalten würde: Zum einen wird ihr deutlich gemacht, wer der Chef ist, zum anderen merkt sie so (wie beim Anblick von Wild im Wald), dass es lohnenswert ist, bei uns zu bleiben und abzuwarten, statt dem Trieb nachzugehen und zum Hund (bzw. dem Wild hinterher) zu rennen. :dog_sit

Viele Grüße,
Annika

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