Neuer Hundesport

Unterordnung, Fährte, Schutzdienst
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Lena
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Re: Neuer Hundesport

Beitrag von Lena » Do 24. Jul 2014, 18:17

Hallo Ihr,
nur damit hier nichts falsch verstanden wird, drei meiner Hunde hatten die Schutzhundausbildung, früher nannte man das noch so. Und ich war mit all meinen Hunden auf dem Platz, mein letzter Rüde war mit fünf Monaten der jüngste in der Unterordnung, seine "Kollegen" waren da noch in der Welpenspielgruppe.

Aber das was Ira da beschreibt, brauche ich als normaler Hundehalter nicht. Ich habe solche Hunde gesehen, die so ausgebildet wurden und es waren tsatsächlich nur deutsche- oder belgische Schäferhunde. Und diese Hunde waren alle durchgeknallt, auf gut deutsch gesagt. Ich hätte keinen von denen haben wollen und schon gar nicht in meiner Freizeit begegnen wollen. Und keiner von denen war verträglich mit Artgenossen.
Aber wenn man ansonsten nichts im Leben darstellt, dann muß man wenigstens einen Hund haben, der auf alles und jeden geht.
Ein Hund, der so ausgebildet ist, gehört in Polizeihände, nicht in Privathand.

LG Lena

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Ira
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Re: Neuer Hundesport

Beitrag von Ira » Do 24. Jul 2014, 22:21

Hallo,
Oho, jetzt kommen wir in ganz interessante Bereiche. :dog_biggrin Die Hundeverständigen, von denen ich bisher meine Weisheiten hatte, sprachen immer von Instinkten, die angeboren sind. Triebe seien antrainiert, zB bei all den Balljunkies hauptsächlich unter den Border Collies.
In Hummels Fall wäre das der Territorialinstinkt, er ist bei ihr sehr ausgeprägt. Aber kann man und muss man einen Instinkt kanalisieren? Geht das überhaupt? Wäre der Hund entspannter, wenn er auf einem Hundeplatz hinter Leuten her rennt und die auch (in den Anzug) beißt? Oder ist es nicht in diesem Fall besser, diese Art der Erfahrung für den Hund ganz wegzulassen? Damit er diesbezüglich keine "guten" Erfahrungen macht?
Anja schrieb:
Und so, wie du Hummel beschreibst, scheint sie einen recht hohen Wehrtrieb zu haben, sie verteidigt dich also gerne.
Hummel kommt aus einer sogenannten Schönheitszucht, ich dachte, die hätten sowas nicht. :dog_wink :dog_wink :dog_biggrin
Tatsächlich beneide ich die Leute, die entspannt mit ihren Hunden und ner Menge Erwachsener und Kindern feiern können, mir ist das zu heiß, ich bin vielleicht zu ängstlich und es wird räumlich getrennt. Die Sache mit den Männern fing an, als ich mich vor einem alten Mann mit Stock bückte, um ihm etwas aufzuheben. Mein Hund sprang vor und brummte, danach war das für einige Zeit bei jedem älteren Mann so. Irgendwann kam ein Verkäufer von Feuerlöschern und Hummel ist meiner Tochter durch die Haustür entwischt. Ein Bruchteil von einer Sekunde hat sie mich noch kurz angeguckt, aber ich konnte sie nicht mehr stoppen und sie machte ihren Jumper und brummte. Mir war das so peinlich, dass ich dem 2 Feuerlöscher abgekauft habe. :dog_huh Gut, in diesem Fall war noch die Ressource Heim und Hof betroffen, zusätzlich zu mir.

Inzwischen hab ich hart an mir und den inzwischen angewachsenen Ängsten gearbeitet, auch herausgefunden, was ich machen muss, dass sie nicht nach vorn geht und wir hatten einen entspannten Urlaub.
Aber ich würde diesen Hund nicht mit Zähnen auf was zweibeiniges im Sinne dieses Ringsports schicken, hätte kein gutes Gefühl.

Lena, ich weiß was du meinst, kenne auch solche Typen und kann dich verstehen. Auch der, der mit mir sprach, lebt in einer anderen Hundewelt als ich. Seine waren bis auf den jetzigen Hund immer im Zwinger und er riet mir zu unserer Problematik "mach Strom drauf", was in diesem Fall echt nicht angebracht ist. Außerdem ließ er seinen Rasentraktor an, als mein Hund genau daneben stand. Hummel hat's nicht viel ausgemacht, aber ich hätte in dieser Situation Rücksicht genommen.
LG, Ira

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Regine
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Re: Neuer Hundesport

Beitrag von Regine » Do 24. Jul 2014, 22:42

Hi Ira,
Triebe sind angeboren und wollen ausgelebt werden, irgendwie,- können sie das nicht einfach so, weil wir es unterbinden, suchen sie sich einen Weg oder es Kommt zu einem Triebstau.
Bsp: ein Border Collie möchte hüten , weil dafür gezüchtet , es wird vom Besitzer unterbunden und der Hund wird hauptsächlich in einem 500qm Garten gehalten.......was passiert... er rennt Tag und Nacht den Zaun auf und ab und wird aggressiv, kommt er mal raus, versucht er Menschen oder Schafe, Pferde zusammenzutreiben...
Hunde sind unterschiedlich gestrickt , auch innerhalb einer Rasse. Einige sind triebiger als andere, eine lieben VPG-Sport andere denken was soll der Quark..., das kommt wirklich auf den Typ an.
Bei deiner Maus glaube ich , dass sie ein richtiges Terrierherz hat und versucht dich zu schützen,weil du ihr vielleicht etwas unsicher rüberkommst.
Vielleicht würde ihr VPG-Sport Spass machen ,was ich aber sicher glaube , dir würde er Sicherheit geben, weil du lernen oder merken würdest:ja ich kann sie in jeder Situation kontrollieren bzw ihr vertrauen.
Aber ..es muß einem liegen der Sport...er hat halt auch ein wenig mit "Drill" zutun...denn mit Laissez-faire bekommt man keinen Gehorsam hin , den es dort Bedarf.Ringtraining ist noch ein wenig härter ja ,und nicht jeder Hund(und Führer) ist dafür geeignet , die die ich kenne sind aber sehr verantwortungsbewußt und vor ihren Hunden hatte ich noch nie Angst.Aber da kommt es eben auch wieder drauf an ...wie der Herr so´s Gescherr
LG Regine
Den Reichtum eines Menschen kann man an den Dingen messen,
die er entbehren kann, ohne seine gute Laune zu verlieren.

Henry David Thoreau (1817 - 1862), US-amerikanischer Philosoph, Naturalist, Schriftsteller und Mystiker

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Uschi
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Re: Neuer Hundesport

Beitrag von Uschi » Do 24. Jul 2014, 23:26

Hallo Ira,
Ira hat geschrieben:Triebe seien antrainiert, zB bei all den Balljunkies hauptsächlich unter den Border Collies.
wenn Du grad die Bordercollies anführst.............. Ich hatte kürzlich die Gelegenheit ziemlich viele Bordercollies auf einem Haufen beoabachten zu können, abseits des Agility-Parcours, auf dem sie unerreicht sind.
Deren Hütetrieb ist NICHT antrainiert. Sie wollen hüten, immer und andauernd, es ist ihr Leben. In Ermangelung von Schafen, hüteten sie sich eben gegenseitig. Menschen habe ich sie nicht hüten sehen.
Und sie wollen unbedingt immer die Anweisung ihres HF haben. Sie gieren förmlich danach, etwas vom HF aufgetragen zu bekommen und wenn es nur das war, dass sie weitergehen sollen, oder links oder rechts. Sagt der HF nichts, stehen sie wie die Statuen, lassen den HF nicht aus den Augen und warten sehnsüchtig und geduldig auf ein Kommando. So wird das mit den Balljunkies unter den Borders sein. Sie "hüten" den Ball auf Anweisung ihres HF. Denn Ball deswegen, weil halt nichts anderes da ist. Wirklich befriedigend ist das sicher nicht für diese Hunde.

War sehr interessant, diese so völlig gegenteilige Rasse zum AT näher beobachten zu können.

Ira hat geschrieben:Wäre der Hund entspannter, wenn er auf einem Hundeplatz hinter Leuten her rennt und die auch (in den Anzug) beißt?
Ich denke schon. Es geht ja nicht ums hinter Leuten herrennen und sie zu beißen. Der Kopf, nicht nur der Körper muss was tun. Er muss gehorchen, das strengt ihn in dieser Situation sehr an und das Jagen und der Kampf um die Beute ist auch nicht gerade kraftsparend. Und der Hund erkämpft sich seine Beute, das befriedigt ihn schon. Schau mal, wie stolz die Hunde den Ärmel vom Platz tragen.

Regine hat geschrieben:bzw ihr vertrauen.
Das ist wichtigste Erfahrung überhaupt. Auch ich bekam und bekomme immer noch ab und zu zu hören auf dem Hupla: "Vertrau Deinem Hund auch." Unsere Hunde (und auch wir selbst) können und verstehen nämlich sehr viel mehr, als wir oft glauben.
Mir wurde dort abgefordert, meinem Hund zu vertrauen, z.B. dass ich nun keine Leine mehr brauche für eine bestimmte Übung, sondern ihn rein mit der Stimme lenken kann. "Das kannst DU und das kann Dein Hund."

Ja, und das ging. Ich habe oft gestaunt. Es ist eine sehr schöne Erfahrung.



LG
Uschi
Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein.

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Anja1402
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Re: Neuer Hundesport

Beitrag von Anja1402 » Fr 25. Jul 2014, 08:04

Hallo Ira,
Ira hat geschrieben:Die Hundeverständigen, von denen ich bisher meine Weisheiten hatte, sprachen immer von Instinkten, die angeboren sind. Triebe seien antrainiert, zB bei all den Balljunkies hauptsächlich unter den Border Collies.
Sorry, aber das ist Quatsch. Jeder Hund hat Instinkte UND Triebe, mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Und Trieb hat auch nicht unbedingt was mit Schönheits- oder Leistungszucht zu tun, es gibt Schönheitszuchten, die triebstarke Hunde hervorbringen, und Leistungsverpaarungen, bei denen Schlaftabletten entstehen :dog_biggrin
Ira hat geschrieben:Aber kann man und muss man einen Instinkt kanalisieren? Geht das überhaupt? Wäre der Hund entspannter, wenn er auf einem Hundeplatz hinter Leuten her rennt und die auch (in den Anzug) beißt? Oder ist es nicht in diesem Fall besser, diese Art der Erfahrung für den Hund ganz wegzulassen? Damit er diesbezüglich keine "guten" Erfahrungen macht?
natürlich kann man den Trieb (nicht Instinkt) fördern und kanalisieren oder aber unterdrücken. Aber warum sollte man ihn unterdrücken und damit den Hund unglücklich machen und ihm einen Teil seiner Persönlichkeit nehmen? Wenn ein Hund einen hohen Wehr- oder Beutetrieb hat, ist es besser, ihn diesen kontrolliert ausleben zu lassen, als ihn zu unterdrücken und sich damit ein Pulverfass im heimischen Körbchen heranzuziehen. das, was du als "gute" Erfahrung bezeichnest, ist für den Hund die Lernerfahrung: "Wenn ich das tue , was Frauchen sagt, darf ich das machen, was ich unbedingt will (meinen Trieb ausleben)". Und ihr beide werdet entspannter - der Hund, weil er ausgelastet ist, und du, weil du weißt, dass du ihn auch in einer hohen Reizlage kontrollieren kannst.
Ira hat geschrieben: Irgendwann kam ein Verkäufer von Feuerlöschern und Hummel ist meiner Tochter durch die Haustür entwischt. Ein Bruchteil von einer Sekunde hat sie mich noch kurz angeguckt, aber ich konnte sie nicht mehr stoppen
Als Hummel dich anschaute, hat sie dich quasi um Erlaubnis gefragt: Darf ich? Den bösen Eindringling verjagen? Das ist genau die Situation, die auf dem HuPla geübt wird. Der IPO-Hund weiß: Ich muss erst auf das Kommando / die Freigabe des Chefs warten, bevor ich losstürmen darf. Hummel hat in dem Fall selbstständig entschieden, die Angelegenheit zu regeln, weil sie es nicht kennt bzw. nicht von dir erwartet, dass du es ihr erlaubst. Wie gesagt: Triebstarke Hunde sind auch im Alltag leichter zu bändigen, wenn sie erst mal kapiert haben: Gehorsam = Wunscherfüllung. Dass man den Hunden den Wunsch nicht jedesmal erfüllen kann, also du Hummel nicht die Erlaubnis erteilst, auf den Vertreter loszugehen :dog_laugh , ist natürlich klar, aber der Hund lernt ja auch, dass er nicht jedesmal zum Erfolg kommt, und ist trotzdem nicht frustriert, weil er weiß, "ok, dieses Mal durfte ich nicht, aber nächstes Mal [=auf dem HuPla] darf ich wieder".
Uschi hat geschrieben:Auch ich bekam und bekomme immer noch ab und zu zu hören auf dem Hupla: "Vertrau Deinem Hund auch." Unsere Hunde (und auch wir selbst) können und verstehen nämlich sehr viel mehr, als wir oft glauben.
Mir wurde dort abgefordert, meinem Hund zu vertrauen, z.B. dass ich nun keine Leine mehr brauche für eine bestimmte Übung, sondern ihn rein mit der Stimme lenken kann. "Das kannst DU und das kann Dein Hund."
Ja, und das ging. Ich habe oft gestaunt. Es ist eine sehr schöne Erfahrung.
Genau diesen Satz habe ich gestern auch erst wieder zu hören bekommen :dog_biggrin ich bin bei vielen Dingen auch nach wie vor unsicher bzw. bin überzeugt, dass mein frecher kleiner Racker seinen Airedale-Dickkopf durchsetzt, aber siehe da: ich brauche keine Leine, ich muss nur das Kommando mit überzeugender Stimme geben. es hat ein bisschen gedauert, bis wir da waren, und es wird auch wieder Rückschläge geben, aber es geht voran :brav
Nach manchen Gesprächen mit Menschen hat man den Wunsch, einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzulächeln und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen!
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Ira
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Re: Neuer Hundesport

Beitrag von Ira » Fr 25. Jul 2014, 15:02

Hallo,
danke für die Antworten, das war viel zu lesen.
Ja, die Bordercollies: ist das Trieb oder Instinkt, ich bin kein Verhaltensforscher und kann die Unterschiede schlecht ausmachen, hatte die Hunde auch ohne Hintergedanken als Beispiel aufgeführt.

Regine hat geschrieben:
Bei deiner Maus glaube ich , dass sie ein richtiges Terrierherz hat und versucht dich zu schützen,weil du ihr vielleicht etwas unsicher rüberkommst.
Das hast du aus der Ferne gut erkannt :dog_wink Und nach den ersten "Vorfällen" wurde die Unsicherheit und Ängstlichkeit immer größer, das Vertrauen, von dem Uschi sprach, zum Hund immer kleiner, so dass der Hund - Hummel ist ein unglaublicher Seismograph - immer mehr das Gefühl bekam, die Sachen besser selber in die Pfoten zu nehmen. Sie hat ihre Zähne noch nicht wirklich eingesetzt, schon gar nicht außerhalb von Haus und Garten, aber ich möchte ja auch, dass das so bleibt. Die unterschiedlichen Meidungen zweier unterschiedlicher Trainer machten die Sache nicht besser, so hat es eine Weile gedauert, bis sich alles wieder normalisiert hat. Die Trainingstips waren na ja..... Besser ist, man macht sich selbst nen Kopp, denn von da an gings erst richtig bergauf. Abgesehen von meinen verbesserten Führungsqualitäten und dem geistigen Abhaken ihrer Erkrankung, auf die ich vieles schob, habe ich aber auch das Gefühl, dass die veränderte Fütterung ihr auch psychisch gut tut, sie also ausgeglichener ist. Ich sehe also immer zu, dass ich die Lage checke, den Hund bei Begegnungen hinter mir halte, dann klappt das gut

Uschi schrieb:
Schau mal, wie stolz die Hunde den Ärmel vom Platz tragen.
Das kann ich mir vorstellen, denn wenn Hummel vor Publikum mal apportiert, dreht sie eine Ehrenrunde mit dem Futterbeutel und gibt an wie Nachbars Lumpi. :dog_biggrin
Hummel ist ja nun "schon" 7 und hier in der Nähe gibt es keinen Hundeplatz, wo ich meinen Hund gern sehen möchte, nicht mal abgemalt, da passen wir absolut nicht hin, zumal sie nur mitmachen würde, wenn mit Freude trainiert würde, bei Druck macht sie dicht, dafür ist sie nicht der richtige Hund und ich nicht der richtige Mensch, sie würde wahrscheinlich auch auf den Druck, der auf andere Hunde ausgeübt wird, reagieren.
So müssen wir sehen, wie wir uns weiter durchwursteln, vielleicht ab und zu mal was Neues ausprobieren.
So, das war jetzt echt weit weg vom VPG, aber ich wollte lieber im unöffentlichen Bereich schreiben, weil es hier vielleicht sachlicher zugeht. War ja auch so :dog_biggrin
LG und ein schönes Wochenende, Ira

airenois
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Re: Neuer Hundesport

Beitrag von airenois » Mo 28. Jul 2014, 11:56

Vielleicht kann ja Nicole mal von ihren Erfahrungen erzählen, zB wie viel schwieriger ist das? :dog_laugh
Hallo Anja, hallo Zusammen,

Ennox darf hin und wieder Mondioring machen, weil es ihm total viel Spaß macht und er nicht perfekt sein muss. Er darf auch mal spitz, oder mit weniger vollem Griff arbeiten.
Man erkennt aber sofort, dass Ennox aus dem IPO Sport kommt. Wenn ich ihm hinter dem Scheintäter schicke, springt Ennox nicht in den Rücken sondern umläuft ihn und fasst
dann meist in die Ärmel. Ich selbst habe diesen Mondioring Anzug vor einiger Zeit angezogen um einen DSH, der zur Polizei gehen sollte ( und mittlerweile auch ist ) zu hetzen,
es war eine interessante Erfahrung. Ich weiß nicht, was schwerer war, der Anzug oder der Hund.
Lieben Gruß Nicole & Ennox

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Michèle
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Re: Neuer Hundesport

Beitrag von Michèle » So 18. Jan 2015, 13:27

Wieviel schwieriger diese Art von Sport ist? Sehr viel schwieriger als IPO, aber auch um ein vielfaches interessanter und spannender für Hund und Mensch. Im IPO gibt es einen Ablauf, der immer gleich ist. Man versucht natürlich innerhalb des Trainings Abwechslung hinein zu bringen, damit der Hund nicht von sich aus einfach das Programm abspult. Man schaut, dass man die UO immer wieder variiert und die einzelnen Sequenzen abwechselt, damit der Hund das Prüfungsschema nicht verinnerlicht. Ebenso macht man es bei SD. Letztlich baut man die Sequenzen erst in der Prüfung so zusammen, dass sie der PO entsprechen und der Hund nicht freudestrahlend "ich weiß was" ruft und sein Ding macht. Clevere und / oder nicht ganz so doll aufgebaute Hunde machen das aber trotzdem :D

Im Mondioring gibt es zig Bauteile, die willkürlich aneinander gereiht werden und Prüfungen stehen auch gern unter einem Motto. Da können schon mal Pferde, irgendwelche verkleideten Menschen oder weiß der Kuckuck was auf dem Prüfungsgelände für Ablenkung sorgen. Innerhalb der Bauteile gibt es auch diverse Tücken, beispielsweise beim apportieren. Da wird im Mondioring kein schnödes Holz apportiert sondern es gibt eine Kiste und der LR wählt aus, was apportiert wird. Das kann eine Plastikflasche, ein Rührbesen, ein Kinderwagenreifen oder sonst was sein. Auch sehr hübsch ist die Ablage ohne HF unter Ablenkung. Ich habe da schon eine Ballwurfmaschine in Aktion erlebt und der Hund blieb liegen.

Die Schutzdienstelemente sind auch anders und der Hund darf überall (außer Hals, Kopf) beißen, weil der Angriff mit Gegenständen gehemmt wird. Da wird beispielsweise ein Plastik-Gartenstuhl genommen um den Angriff zu vereiteln. Nun wäre es für den Hund sehr schwierig über den Gartenstuhl zu springen und seinen sauberen Griff in den Ärmel zu setzen, also taucht er unter dem Gegenstand durch und beißt ins Bein. Eine schöne Vereitelung habe ich live gesehen. Da wurden massig Flatterbänder an leere Waschmittelflaschen gebunden und die Hunde gingen ohne Zögern durch. Sie lernen abzuwägen und mitzudenken.

Man denkt sich im Training also diverse Eventualitäten aus, denn man weiß nie was für "Verrücktheiten" einen auf der Prüfung erwarten :D Man kann viele dieser Hunde in der Familie halten und ganz stinknormal mit in Urlaub nehmen, ohne dass sie alles und jeden zum fressen gern haben. Sie wissen was wann Ambach ist und sie wissen auch, dass es um das Michelinmännchen im Schutzdienst geht und ein "ziviler" Mensch nicht zu beißen ist. Ziviles Beißen wie bei Diensthunden baut man anders auf und dazu äußere ich mich nicht, weil Diensthunde bedauerlicherweise gern ausgeschaltet werden und das mit hinterlistigsten Mitteln, die streckenweise zum Tode des Hundes führen. Außerdem braucht es offiziell keine Anleitung dafür, mal unabhängig davon, dass ziviles Beißtraining in D nur entsprechenden Behörden gestattet ist.

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Re: Neuer Hundesport

Beitrag von lutz » So 18. Jan 2015, 14:18

Hallo AT-Freunde,

ja es gibt schon seltsame Sachen die man als Sport bezeichnet.

Das was da mit dem Lebewesen Hund gemacht wird indem seine Triebe missbraucht werden ist nur noch eine Steigerung von dem wenn sich z.B. die Menschen gegenseitig so lange ins Gesicht hauen bis alle Gesichtszüge verbeult und auf Dauer entgleist sind so dass man Fresse dazu sagen muss und die Birne zwischen den Blumenkohlohren und der plattgeschlagenen Nase so weich geklopft ist dass der "Sportler" frühzeitig ein Pflegefall wird der nicht bis drei zählen kann.
Dieser "Sport" nennt sich übrigens Boxsport.
Es gibt genügend Leute die solch "mutige" Männer, und neuerdings auch Frauen, richtig bewundern.

Ich bin mir beim Ringsport oder Mondioring mit Hunden ziemlich sicher dass diese "Sportler" eigentlich gar nichts anderes beabsichtigen als ihren Hund "scharf" zu machen um ihr eigenes verkümmertes Selbstwertgefühl mit so einem Tier stützen zu müssen.

Das sagt mir übrigens nicht nur mein Verstand sondern auch mein Instinkt (meine Triebe benötige ich anderweitig).

Viele Grüße von lutz mit Greta

P.S. Es gibt übrigens für jeden zugänglich aus der Polizeiliteratur ein Buch über "Gefährliche Hunde" in dem Anwendungen dargestellt werden mit dem z.B. auch Diensthunde mit Zivilschärfe außer Gefecht gesetzt werden können und welche Hilfsmittel dazu am geeignetsten sind.
Die Beziehung zwischen einem Mann und seinem Hund ist heilig,
was die Natur vereint hat, soll keine Frau trennen.

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Lisa1607
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Re: Neuer Hundesport

Beitrag von Lisa1607 » So 18. Jan 2015, 17:23

Ich sehe den Schutzsport als sinnvoll an, ebenso Mondioring. Ich verstehe nicht was daran scharf machen sein soll. Scharf machen geht in die Kampfhunderichtung ( nicht Rassebedingt, meine diese "tolle" "Sportart" die inzwischen verboten ist ), oder die der Diensthunde, nicht zum IPO oder Mondi. Der Hund beißt in einen Ärmel bzw Anzug, und nicht ins Fleisch bzw zumindest in die Haut. :dog_nowink
Schutzärmel und Anzug würde ich eher als anziehbares Hundespielzeug sehen, statt als normale Klamotte. Ich schreibe den Hunden so viel Intelligenz zu, dass sie diesen Unterschied bemerken.

Ausserdem geht es ja nicht ums beißen sondern um Kanalisierung, ausleben und Kontrolle einer Triebsituation. Aber dazu wurde in diesem Thema ja bereits genug geschrieben.


Ich finde Mondioring ziemlich interessant, verstehe nur nicht warum es nicht VDH anerkannt ist. Die einzige Begründung die ich gefunden habe, ist die, dass die Hunde dort in einen Anzug beißen und nicht in einen Ärmel. Sonst erhält man scheinbar keine wirkliche Antwort dazu. Finde es schade dass die Möglichkeiten diesen Sport auszuüben so gering sind, könnte es mir eigentlich ganz gut vorstellen das mal zu auszuprobieren.
Hätte ich die Wahl, IPO oder Mondi, würd ich letzteres wählen. Naja, so wirds dann halt IPO und/oder noch irgendwas anderes werden.

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