wie prägend ist die Zeit beim Züchter

Geburt, Aufzucht, Einzug, Sozialisation
kpkjk
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wie prägend ist die Zeit beim Züchter

Beitrag von kpkjk » Mo 24. Sep 2018, 10:09

Hallo liebe Forumsmitglieder,
ich möchte mich /uns einmal vorstellen. Wir sind eine 5köpfige Familie und planen seit einem Jahr den Kauf eines Airedales. Nun haben wir nach langen Überlegungen uns dazu entschlossen, im nächsten Jahr einen Welpen zu holen. Unsere Fragen sind daher vielfältig.
Die erste und auch wichtigste Frage für uns ist, wie wichtig die Zeit beim Züchter ist? Wir haben schon mit mehreren gesprochen und auch schon besucht. Nun hat uns eine Bekannte gesagt, für sie käme nur ein Züchter von denen in Frage, da dort die Hunde sehr vielseitig aufwachsen. Sprich sie leben auf einem Hof, mit anderen (vielen verschiedenen) Tieren, vielen Althunden und einer Menge Abwechslung. Da es sich ja beim Airedale um einen Jagdhund handelt, könnte es von Vorteil sein, wenn so ein Hund bereits im Welpenalter mit unterschiedlichen Tieren (Hühner, Enten etc) aufwächst. Würdet ihr dem zustimmen, oder sagt ihr, die Zeit nach dem Züchter ist wichtigter?
Über eure Antworten wäre ich sehr dankbar.
Kerstin

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lutz
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Re: wie prägend ist die Zeit beim Züchter

Beitrag von lutz » Mo 24. Sep 2018, 10:59

Hallo Kerstin,

ja die sogenannte Prägezeit ist für die weitere Entwicklung des Hundes sehr wichtig. Ein Hund lernt nie wieder so leicht und schnell wie in dieser Zeit. Sie geht beim Airedale so bis ca. 12-14, wenn man Glück hat in Ausnahmen bis 16 Wochen. Um einen guten Hund zu bekommen ist es die vererbte Genetik die natürlich an erster Stelle steht. Dann heißt es der Züchter macht den Welpen und der Halter macht den Hund.
Daran kann man sehen wie wichtig schon die Prägezeit beim Züchter ist. Ich würde sagen die Zeit beim Züchter ist genau so wichtig wie die Zeit die Euch noch bleibt um die restliche verbleibende Prägezeit auszunutzen um den Welpen an Eure spezielle Umgebung zu gewöhnen. Alles was der Hund in dieser Zeit schon lernen kann macht es Euch später mit der Erziehung um vieles leichter.

Ein Welpe wie der Airedale wird normalerweise mit ca. 10 Wochen abgegeben. Dann sollte er gelernt haben mit seinesgleichen sozial gut verträglich umzugehen genau wie er auf die Menschen geprägt sein sollte. Was der Hund in dieser sensiblen Zeit erlebt hat, hat ihn für sein Leben lang geprägt, daher der Name "Prägezeit". Wird der Welpe schon mit 8 Wochen abgegeben kann er sich zwar leichter und besser auf den Menschen prägen lassen aber auch genau so gut später mit anderen Hunden soziale Probleme bekommen weil er noch nicht lange genug Zeit hatte den sozialen Umgang mit Artgenossen zu lernen. Umgekehrt ist es der Fall wenn man einen Welpen erst mit 12 Wochen vom Züchter bekommt. Dann ist der Welpe zwar hervorragend auf den Umgang mit Artgenossen geprägt aber der Mensch muss sich später mehr Mühe geben dass der Hund auch mit ihm was anfangen kann wenn er was lernen soll.

Es kommt natürlich auch immer auf die Zuchtstätte an wieviel an Umwelteinflüssen ihm der Züchter da bietet. Ob er spielen genau so gut mit entsprechenden Einrichtungen gelernt hat wie mit den Geräuschen im Haushalt klar zu kommen. Wenn ihr nicht gerade einen Bauernhof habt sondern in der Stadt wohnt ist es wichtiger auch schon einmal den Verkehrslärm der Straße kennen gelernt zu haben als andere Tiere wie Kühe oder Pferde.
Ob er schon vom Züchter mal mit dem Auto gefahren ist und zu kurzen Ausflügen in die Umgebung mitgenommen wurde um diese mal kennen zu lernen. Also ganz klar je mehr der AT-Welpe von der gesamten Umwelt schon mitbekommt ohne ihn zu überfordern, man kann hier durchaus auch was verkehrt machen, umso besser ist er geprägt und man hat es dann später leichter einen "fertigen" Hund aus ihm zu machen.

Übrigens ist der Airedale kein reiner Jagdhund (er wurde ursprünglich, von der ärmeren Bevölkerung in England, "ohne Spurlaut" zum Wildern benutzt) sondern wurde als Universal-Gebrauchshund gezüchtet und sogar schon lange vor dem Deutschen Schäferhund als Diensthund bei der Polizei und beim Militär als Sanitätsdienst-und Meldehund eingesetzt. Der Jagdinstinkt ist aber bei den meisten Airedales noch mehr oder weniger von Natur aus ausgeprägt vorhanden.
Weitere Fragen werden gerne beantwortet.

Viele Grüße von lutz mit Greta
Die Beziehung zwischen einem Mann und seinem Hund ist heilig,
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Lena
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Re: wie prägend ist die Zeit beim Züchter

Beitrag von Lena » Mo 24. Sep 2018, 14:54

Hallo Kerstin,

und herzlich willkommen im Forum.
Es ist so, wie Lutz es schon geschrieben hat; die ersten Wochen beim Züchter sind sehr wichtig, genau wie die ersten Monate danach, beim neuen Besitzer.
Ich würde nie einen Welpen nehmen, der irgendwo ausserhalb des Hauses, im Schuppen oder so, aufgezogen wird. Solche Hunde haben meistens später große Probleme mit ihrer Umwelt, weil sie auf nichts geprägt sind.

LG Lena

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lutz
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Re: wie prägend ist die Zeit beim Züchter

Beitrag von lutz » Mo 24. Sep 2018, 14:58

Fortsetzung folgt in Bruchstücken (da meine "Abhandlungen" einigen Usern sonst zu lang sind um sich noch konzentrieren zu können):

Während man früher annahm dass man nur einen mit gesundem Erbgut ausgestatteten Welpen zu kaufen brauchte und dann die Erziehung oben drauf setzte weiß man es heute besser.

Die Prägung des Welpen beginnt sogar schon im Mutterleib.
Ungünstige Einflüsse während der Schwangerschaft können sich auch ungünstig auf die Welpen auswirken. Stress und evtl. Schockeinwirkungen auf die Mutterhündin können sich auf die Embryonen übertragen und dort schon das Wesen ungünstig beeinflussen. (z.B. spätere Nervosität/Schussangst).
Die Verhaltensentwicklung der Welpen besteht immer aus der eng miteinander verflochtenen organischen Entwicklung zusammen mit der Entwicklung des Verhaltens durch wechselseitige Einflussnahme. Beides steigt nach der Geburt in der sensiblen Phase der Prägezeit zusammen steil an und flacht immer mehr ab je älter die Welpen werden. Wachstum und Reifung bilden zusammen die Entwicklung die uns in der Prägezeit die Chance gibt einen Welpen mit einem gesunden selbstbewußten Wesen heranzubilden der "im Kopf richtig tickt". Hierauf hat also der Züchter einen wesentlichen Einfluss da der Hauptanteil der Prägezeit bereits bei ihm abläuft.
Der Welpenkäufer sollte sich also ein ausführliches Bild von dem machen wie die Welpen beim Züchter groß gezogen werden. Ich setze einmal voraus dass man die Mutterhündin beobachtet hat ob sie souverän mit ihren Welpen umgeht und wenn es machbar ist auch den Vater in Augenschein nimmt um einen Eindruck von deren Wesen zu bekommen und nicht nur in den Ahnentafeln geblättert hat.
Sofern das machbar ist kann man auch versuchen sich Hunde aus vorhergehenden Würfen der Elterntiere anzusehen was aus denen geworden ist.

LG lutz mit Greta
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Re: wie prägend ist die Zeit beim Züchter

Beitrag von kpkjk » Mo 24. Sep 2018, 17:50

Hallo Lutz und Lena,
vielen Dank für die schnellen Antworten. Das was ihr geschrieben habt klingt logisch und bestätigt das, was ich bereits alles gelesen habe.
Bis jetzt haben wir uns auf zwei Züchter gedanklich eingelassen, die uns beide sehr zusagen. Beide Züchter planen für das kommende Frühjahr Welpen, daher konnten wir bis jetzt nicht sehen, wie die Mama mit den Kleinen umgeht. Eine Mama konnten wir bereits kennenlernen. Sie war sehr aufgeschlossen und doch beim Besuch auch nicht aufdringlich, sondern zog sich nach ein paar Streicheleinheiten auch zurück, um sich in der Nähe hinzulegen. Die anderen Züchter kennen wir bis jetzt nur per Telefon und Internetauftritt. Ein persönliches Treffen steht demnächst an. Unser Anliegen ist halt, woran soll ich es ausmachen, bei wem wir den Welpen kaufen sollen. Bei beiden wachsen die Hunde im Haus auf, ziehen um in ein Welpenzimmer und bekommen viel Auslauf. Fahrten lernen sie auch kennen und beide Züchter akzeptieren früh Besuche von den Familien und Kindern. Nur wie gesagt, der eine hat noch viele Tiere vor Ort. Prägt das den Hund sehr und mildert unter Umständen den Jagdtrieb (wie unsere Bekannte sagt)?
Ich weiß, die Entscheidung könnt ihr uns nicht abnehmen, aber ihr habt bereits Erfahrungen und für uns ist es Neuland.
LG Kerstin

Anja1402
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Re: wie prägend ist die Zeit beim Züchter

Beitrag von Anja1402 » Mo 24. Sep 2018, 18:19

Hallo Kerstin, willkommen im Forum! Schön, dass ihr euch für einen Airedale entschieden habt und euch schon so umfassend informiert.

Zur Prägezeit haben Lutz und Lena ja schon einiges geschrieben, ich möchte auf deine Frage eingehen:
kpkjk hat geschrieben: der eine hat noch viele Tiere vor Ort. Prägt das den Hund sehr und mildert unter Umständen den Jagdtrieb (wie unsere Bekannte sagt)?
, weil ich das bei einer gute Freundin miterlebt habe (keine Airedales, sondern Foxl, aber ich denke, das ist in diesem Fall egal :dog_biggrin) sie hat 3 Foxterrier - ein älteres Geschwister-Pärchen und einen Jungspund - und hält selbst Hühner und Enten und Gänse. Den Jungspund hat sie von einer Züchterin, wo die Hunde in der Familie aufgewachsen sind, aber nicht gezielt an Federvieh herangeführt wurden. Das hat sie dann selbst gemacht, der Kleine kam mit 8 Wochen zu ihr, lernte von Anfang an alle anderen Tiere kennen und hat jetzt (mit fast 2) keinerlei Jagdtrieb in Bezug auf die hauseigenen Tiere (dazu gehören noch Kaninchen und anderes Kleinvieh). die beiden älteren haben das Geflügel ebenso von Anfang an kennengelernt, aber der Rüde hat, soweit ich weiß, mal ein (altes und krankes) Huhn erwischt und gerupft :dog_wacko
Mein eigener Hund (Struppi, Rüde, 6 Jahre alt) hat nie großartige Erfahrungen mit Hühnern etc. gemacht. er sieht ab und zu welche bei Bekannten im Garten und findet sie uninteressant, so wie alle anderen Vögel auch. Er hat eigentlich keinen Jagdtrieb, eher Beutetrieb - also wenn ihm ein Feldhase genau vor die Füße springt und wegflitzt, ist seine erste Reaktion natürlich Hinterherrennen :dogrun , aber er lässt sich sehr gut abrufen. Ob ein Hund Jagdtrieb hat oder nicht, hängt meiner Meinung nach nicht davon ab, ob er beim Züchter mit anderen Tieren aufgewachsen ist, sondern davon, ob er (insbesondere in der Jugend) mal ein erfolgreiches Jagderlebnis hatte oder nicht. Auch mit Erziehung kann man hier viel erreichen. Mein Hund ist bei Spaziergängen mit einem Ohr immer bei mir, weil er weiß, dass unterwegs Action angesagt ist - Spielzeug werfen oder verstecken, Geruchsidentifikation mit Tannenzapfen, ein bisschen Gehorsamsübungen... keine Angst, er hat mehr als genug Gelegenheit zum Schnüffeln und sich-Lösen happy_02 aber er interessiert sich absolut gar nicht für irgendwelche Wildspuren o.ä.
Für einen Welpen ist es natürlich dennoch gut, wenn er mit vielen verschiedenen Umwelteinflüssen aufwächst. Ich finde es zB auch wichtig, dass Welpen schon beim Züchter (kleine) Kinder kennenlernen.

Ihr werdet schon die richtige Entscheidung treffen :thumbup:

LG Anja & Struppi
Nach manchen Gesprächen mit Menschen hat man den Wunsch, einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzulächeln und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen!
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Re: wie prägend ist die Zeit beim Züchter

Beitrag von Lena » Mo 24. Sep 2018, 18:21

Hallo Kerstin,
kpkjk hat geschrieben: der eine hat noch viele Tiere vor Ort. Prägt das den Hund sehr und mildert unter Umständen den Jagdtrieb
Es kann sein, daß viele andere Tiere im Welpenalter eines Hundes den Jagdtrieb mildern, es kann aber auch das Gegenteil sein. Wenn die Welpen nämlich schon früh lernen, hinter z.B. Federvieh herzulaufen. Eine Garantie dafür gibt es niemals.
Man kann aber mit einem Welpen schon früh ein Antijagdtraining beginnen, indem man dafür sorgt, daß er frühzeitig Kommandos erlernt, vor allen Dingen den Rückruf.

Mein erster Airedale hatte Jagdtrieb, der aber durchaus kontrollierbar war; ich konnte ihn von Rehen, die unseren Weg kreuzten abrufen. Er konnte überall ohne Leine laufen, kein Thema.

Mein zweiter Airedale war die "Jagdsau" schlechthin, er ging auf Spur und Sicht. War schon ein anderes Kaliber. Im Wald blieb er vorsichtshalber an der Leine, obwohl er nie länger als zehn Minuten weg war, wenn er mir denn mal entwischt war.
Im Feld konnte er ohne Leine laufen.

Meine jetzige Hündin hat auch Jagdtrieb, aber händelbar; sie geht nur auf Sicht, nicht auf Spur. Ich muß also alles Wild vor ihr sehen, dann kann ich sie rechtzeitig anleinen. Obwohl ich sie in letzter Zeit auch immer öfter abrufen konnte, wenn sie das Wild vor mir gesehen hat.

Ich würde mir jetzt speziell nur wegen dem Jagdtrieb nicht so viele Gedanken machen. Es gibt genug andere Rassen, bei denen der Jagdtrieb viel ausgebildeter ist als beim Airedale.

LG Lena

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Re: wie prägend ist die Zeit beim Züchter

Beitrag von kpkjk » Mo 24. Sep 2018, 19:10

Hi man,
das geht ja fix hier. Freut mich, ich hatte mich darauf eingestellt, länger auf Antworten warten zu dürfen. Liebe Anja deine Schilderungen festigen meinen Eindruck, den ich gewonnen habe durch das viele lesen und recherchieren. Ich denke auch, dass die Prägung wichtig ist, aber das der Jagdtrieb davon nicht unbedingt abhängt. Wie ihr geschrieben habt, sind viele Faktoren wichtig und beim Jagdtrieb auch das Erfolgserlebnis. Lena deine Hunde beweisen es, dass es auch davon abhängt, wie der Hund drauf ist (Charakter). Denn ich gehe mal davon aus, dass du in der Erziehung ziemlich gleich gehandelt hast bei allen. Daran kann man glaube ich gut sehen, dass mehr als die 10 Wochen Züchter entscheiden. Wir waren halt nur so verunsichert, wegen der Aussagen von Hundeerfahrenen. Letztendlich machen beide auf uns einen guten Eindruck. Eine Züchterin hat für uns halt den Vorteil, dass sie dichter dran wohnt. Daher können wir in der Züchterzeit halt auch öfter hinfahren und somit mitprägen, da wir auch eine 3Jährige dabei haben.
Ich denke, es ist wie mit Kindern. Ratschläge bekommt man viele, man muss sie nur für sich filtern. Genauso wie die Wahl Rüde oder Hündin. Was haben wir da nicht alles für unterschiedliche Meinungen gehört .
Ich danke euch, hat uns etwas beruhigt bzw bestätigt in unserer Meinung.
LG Kerstin und Baldhund

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lutz
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Re: wie prägend ist die Zeit beim Züchter

Beitrag von lutz » Di 25. Sep 2018, 07:44

Hallo Kerstin und AT-Freunde,

der Jagdtrieb ist generell bereits von der Genetik her da oder eben auch nicht da. Der Airedale als "Universalhund" der ärmeren Bevölkerung wie Bergleute und Farmer wurde wie ich bereits geschrieben habe auch zum Wildern mit genutzt. Das gehörte damals mit zu seinem Gebrauchswert und ist wie alle Triebe (Fresstrieb/Geschlechtstrieb) nur schwer unter Kontrolle zu bringen, aber meist bekommt man auch das hin sofern dieser Trieb inzwischen nicht sowieso im Laufe der Zeit verschwunden ist. Soll es auch geben denn in unseren heutigen Zeit ist der Jagdtrieb eher lästig und kein Züchter legt mehr Wert darauf.

Wer als Jäger unbedingt mit einem Airedale auf Jagd gehen möchte holt sich einen sogenannten "Heideterrier" dass ist eine relativ seltene Zucht aus Airedale und Deutschem Jagdterrier. Das ist eine Granate unter den Jagdhunden und ich weiß von meinem Bruder der Jäger mit einem eigenen Revier ist und der einen Jagdgenossen mit so einem Hund hat dass der den ganzen Tag unermüdlich auf Nachsuche bei einem angeschossenen Tier sein bis er es aufgespürt hat. Wohlweislich habe ich natürlich meine Greta meinem Bruder noch nie für diese Zwecke überlassen. Wie heißt es so schön: Mann soll keine schlafenden Hunde wecken.

Ich würde mich in Deiner Stelle davon nicht Kopfscheu machen lassen aber alle meine 3 Airedaleterrier die ich bisher hatte hatten den Jagdtrieb den ich aber unter Kontrolle halten konnte. Besonders meine jetzige Hündin Greta hat einen stark ausgeprägten Jagdtrieb. Den konnte ich hier auch mal ganz gut gebrauchen und sie hält meinen Gartenteich frei von Ratten. Davon hatte sie hier ein gutes Dutzend gekillt als wir hier mal eine Rattenplage hatten und mir auf die Terrasse gelegt. Vor allen Dingen weil wir in einer Großstadt leben beschränkt sich aber die sonstige erspähte "Beute" bei uns auf Katzen, Wildkaninchen, Eichhörnchen, Igel und Tauben. Raben sind natürlich viel zu schlau um sich schnappen zu lassen was Greta besonders ärgert wenn diese sie provozieren und ihr erst im letzten Moment vor der Nase wegfliegen. An den Igeln im Laub am Wegesrand hat sie sich schon so manche blutige Nase geholt aber besonders muss ich einfach aufpassen dass sie sich mit Katzen keinen Kampf liefert. Die sind nämlich ihre Lieblingsfeinde und ich habe ihr schon mal eine Kralle aus dem Nasenschwamm ziehen müssen. Ich passe natürlich auf so gut es eben geht besonders weil es schon sehr wehrhafte Kampfkatzen gibt und ich nicht möchte dass Greta ein Auge verliert.
Damit muss man eben leben, ich kann aber mit ruhigem Gewissen sagen dass dieses kein Hindernis zu sein braucht sich einen Airedale anzuschaffen, mir ist noch keiner meiner 3 bisherigen Airedales weggelaufen selbst wenn wir in Wald und Flur Wild gesichtet hatten. Mit meinem lauten Kommando "Sitz" habe ich noch jeden Spurt auf der Wiese nach Wild auch nach 200m noch abbrechen können und auf "Hier" und einem scharfen Pfiff erscheint Madam denn auch wieder aus dem Unterholz im Wald.
Im Übrigen können Airedales sehr wohl unterscheiden ob andere Tiere zum Haushalt gehören oder nicht. Meiner ersten Airedale hatte ich noch anfangs in meinem Elternhaus und da gab es Hühner und mehrere Katzen und die wurden in Ruhe gelassen. Dafür hatten auch schon die Katzen selbst gesorgt als mein Dingo als Welpe ins Haus kam.
Von der Theorie dass der Jagdinstinkt erst mit dem ersten Jagderfolg geweckt wird halte ich gar nichts. Das ist absoluter Blödsinn, dieser Trieb ist entweder da oder nicht da, und wenn er da ist wird sich früher oder später eine Begegnung mit einem Tier dass in das Beuteschema des Airedales passt nicht vermeiden lassen. Ich behaupte mal dass so schnell wie der AT dann da zupacken kann, kein Mensch reagieren kann. Sollte dieses passieren ist das auch kein Weltuntergang man darf das nur nicht zur Gewohnheit werden lassen und eben so gut es geht aufpassen. Wichtig ist es auch dass der junge AT nicht von Artgenossen zur Jagd angelernt wird, denn ganz klar ist er für solches auch bei nur gering vorhandenem Jagdtrieb sehr empfänglich. Ich kenne da einen Fall von einer guten Bekannten die seit gut 25 Jahren immer mindestens 2 oder 3 Airedales vom selben Züchter auf ihrem alten Gutshof in der ehemaligen DDR halten. Diese müssen den Hof bewachen wenn diese Arztehepaar in der weiter entfernten Stadt ihrem Beruf nachgehen.Das machen sie zwar hervorragend aber ab und zu gelingt es den Airedales dann doch irgendwie aus dem gut eingezäuntem Hofgelände zu entkommen und in der weite der Landschaft auf Jagd zu gehen. Jedesmal immer wenn ein jüngerer Airedale angeschafft wurde ist es dem älteren schon länger auf dem Hof wohnenden Airedale noch gelungen in dem jüngeren die Jagdleidenschaft zu wecken wenn er ihn mit auf Tour nahm. Gelegenheit macht eben Diebe. Die Besitzerin schwitzt seit Jahren immer Blut und Wasser wenn die Hunde mal wieder auf Tour sind und es in der Gegend knallt.
Klar werden die zum Hof gehörenden Tiere darunter mehrere Kutsch-und Reitpferde von den Airedales akzeptiert.

Also was sich von der Genetik her nicht unterdrücken lässt wenn es nun eimal vorhanden ist wie der Jagdtrieb muss man eben durch Management in den Griff bekommen.
In einer normalen Airedalehaltung in Stadt und Land lässt sich das aber praktizieren und es sollte einen nicht davon abhalten sich einen AT anzuschaffen, er ist nun einmal kein Schoßhündchen damit muss man sich abfinden wenn man so einen kernigen Hund wie den Airedale halten will.
Ich bin auch dagegen dass man hier züchterische Eingriffe vornimmt und wegen des noch vorhandenen Jadgtriebs den Genpool beschränkt.

LG lutz mit Greta
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Re: wie prägend ist die Zeit beim Züchter

Beitrag von kpkjk » Di 25. Sep 2018, 10:52

Hallo Lutz,
vielen Dank für die ausführliche Antwort. Das der Jagdtrieb genetisch gesehen da ist, stimme ich dir zu. Es sind nun einmal Hunde und ob züchterisch verändert oder nicht, es bleiben Hunde. Was ich mit dem Erfolg meinte, ist einfach ausgedrückt, das was du mit
lutz hat geschrieben:Wohlweislich habe ich natürlich meine Greta meinem Bruder noch nie für diese Zwecke überlassen. Wie heißt es so schön: Mann soll keine schlafenden Hunde wecken.
gemeint hast. Ich glaube, Hunde haben das bereits im Blut und wenn man das fördert oder nicht rechtzeitig eingreift, dass dann jeder Hund jagdlich ambitioniert werden kann. Bekannte von uns haben einen Hütehund (nach Ihrer Meinung haben diese Hunde keinen Jagdtrieb) und als er noch klein war, fanden sie es toll, wie er den Vögeln im Garten hinterher gerannt ist. Mittlerweile ist er ist er groß und jagd hinter allem her, was sich vor ihm wegbewegt. Uns ist bewusst, dass der Airedale eher dazu neigt als andere Hunde. Aber ganz ehrlich ist dass eine Sache, die man in den Griff bekommen kann. Ich denke, mit entsprechender Hundeschule und Konsequenz sollte das machbar sein. Für uns überwiegt einfach das Gesamtbild des Airedales, weshalb unsere Wahl auf ihn gefallen ist. Nun heißt es nur noch abwarten und Vorbereitungen treffen. Alles was da halt so zugehört.

Momentan bin ich fleißig am Lesen der anderen Beiträge, von denen, die gerade einen Welpen bekommen haben. Sind doch immer ähnliche Fragen, die da auftreten und man kann sich ganz gut informieren. Ich finde das Forum sehr gut und es wird mir sicherlich noch bei so einigen Unstimmigkeiten helfen. Alleine wenn ich an das Thema BARF oder Trimmen nachdenke.

Vielen Dank

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